30. Juli 2022
Reinbek

Hier entsteht ein junger Wald

Mit neuen heimischen Bäumen klimastabil wieder aufforsten

Azubi Vincent Preiß (li.) und sein Meister Marcel Crochard bringen die jungen Bäume im Pflanzcontainer auf die Fläche Foto: Tamm

REINBEK Ein Spaziergänger im Krähenwald zupft
am Wegesrand einen jungen Baum aus der Pflanzpalette und bemerkt: „Ah, eine Eiche!“

Marcel Crochard, Vertretungsmeister der Schleswig-Holsteinischen Landesforsten kann darüber nur den Kopf schütteln. Erstens sollen die Bäume für den Transport an ihren Bestimmungsort auf der Palette bleiben, zweitens ist die Baumart eine Elsbeere, keine Eiche. „Das ist eine klimastabile alte Obstbaumart“, erklärt Reinbeks Förster Maximilian Scheel.

Zurzeit werden die Flächen im Krähenwald, in der Großkoppel, in der Hahnenkoppel und im Vorwerksbusch, die Orkan Zeynep und Co. zu Beginn des Jahres verwüstet haben, wieder aufgeforstet. Dort hatten die Stürme große freie Flächen hinterlassen, die bei den nächsten Stürmen wieder Angriffsflächen bieten würden.

„Die schöne Else“

Mit Spitz- und Bergahorn, Stieleiche, Douglasien, Ebereschen und eben mit der im Norden noch seltenen Elsbeere soll ein neuer Schutzschild entstehen. Reinbeks Förster Maximilian Scheel hat diese Baumsorten in der Hoffnung ausgewählt, dass sie widerstandsfähiger gegen den Klimawandel sind.
Die „schöne Else“, wie die Elsbeere auch genannt wird, ist ein einheimischer Exot. Das größte aller einheimischen Rosengewächse kommt vor allem in Mitteleuropa und im nördlichen Südeuropa vor.

Das weit ausladende, tiefgründige Wurzelwerk dieser Sorbusart lockert den Boden und festigt das Terrain für benachbarte Baumarten. Elsbeerblüten ziehen viele Insekten an und sind eine bedeutende Bienenweide. Die Früchte bieten im Herbst Nahrung für Vögel und das Laub verrottet rasch und trägt somit zur Verbesserung des Waldbodens bei. Und dabei liebt die Baumart sowohl die Wärme als auch den Halbschatten. „Und sie liefert auch noch ein hochwertiges Holz“, lobt Maximilian Scheel.

Da passte es gut, dass aus einer Überproduktion der Baumschule Heidorn auch noch Elsbeeren übrig waren. „Diese 6000 Bäume müssen jetzt dringend in die Erde“, erklärt Marcel Crochard. Die Forstwirte freuen sich, dass es in diesen Tagen auch mal Regen gibt. Deshalb sind sie auch zuversichtlich, dass die Bäume auch im Sommer gut anwachsen werden.

„Mit einem Zaun gegen das hungrige Wild müssen die Jungpflanzen nicht mehr geschützt werden“, sagt Förster Maximilian Scheel. „Wir bringen ein Verbissschutzmittel aus einem Extrakt aus Schafswolle auf, den das Wild meidet.“

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