4. September 2021
Reinbek

Die Kunst im Zeichen der Liebe

Liebeszeichen Ausstellung im Reinbeker Schloss

Die Künstlerin Sonia Jakuschewa mit einem der beiden Edelstahlköpfe, die Jan Koblasa schuf: „Intimität“ Foto: Klotz

Die Künstlerin Sonia Jakuschewa mit einem der beiden Edelstahlköpfe, die Jan Koblasa schuf: „Intimität“ Foto: Klotz

REINBEK Wenn am Sonntag, 5. September, die Ausstellung „Liebeszeichen“ eröffnet wird, ist auch Sonia Jakuschewa (60) zugegen. Von ihr und ihrem 2017 verstorbenen Mann Jan Koblasa stammen die Werke, die bis zum 7. November im zweiten Obergeschoss des Schlosses Reinbek zu sehen sind.

Als Sonia Jakuschewa 1992 für ein Stipendium nach Deutschland kam, lernte die Moskauer Malerin den tschechischen Bildhauer Jan Koblasa kennen. Es war eine schicksalhafte Begegnung. Die Liebesbriefe, die sich die beiden schrieben, haben sie künstlerisch verarbeitet. Auf Bildern, die sie malte, und Skulpturen, die er schuf, sind Ausschnitte daraus verewigt. Sie zeugen von der tiefen Beziehung, die die beiden Künstler verband.

Nach dem Prager Frühling verließ Jan Koblasa sein Land und floh über Mailand nach Deutschland. Der bedeutende Vertreter der tschechischen und deutschen Gegenwartskunst war Meister auf vielen Gebieten. Durch seine Lehrtätigkeit in Kiel und Prag entwickelte er eine länderübergreifende künstlerische Formensprache. Die Briefe an seine spätere Frau verfasste er nicht nur auf Deutsch, er ließ auch russische und italienische Sätze einfließen. Mal nannte er sie „Allerliebste“, mal „mia cara“. Sonia Jakuschewa schuf daraus eindrucksvolle Collagen, auf denen Papierschnipsel mit Worten abgebildet sind, zum Teil in Originalschrift. Auch die Mittelachse, die meterlang die Ausstellung durchquert, hat sie so gestaltet.

Wie ein roter Faden zog sich das Thema „Engel“ durch Jan Koblasas Werk. Bis zuletzt arbeitete er zusammen mit seiner Frau an den „Liebesengeln“, die hinten im Raum zu sehen sind. Wie politisch er Zeit seines Lebens dachte und arbeitete, belegen die beiden kleinen, bunten Holzskulpturen, die zugleich Engel und eine Anspielung auf die „Pussy Riots“ sind, die 2001 in Moskau gegründete feministische, regierungs- und kirchenkritische Punkrock-Band. „So wie diese beiden Engel haben seine Werke meist mehrere Bedeutungsebenen. Häufig hat er künstlerisch auf äußere, politische Ereignisse reagiert“, erzählt seine Witwe.

Intimität aus Stahl

In dieser Ausstellung geht es aber vor allem um das Thema „Intimität“. Das ist auch der Titel der beiden glatten Metallköpfe aus poliertem Stahl, die einander anschauen. „Er hat sie gemacht, bevor es uns gab“, sagt die Moskauer Künstlerin, die schon lange in Hamburg lebt. Sie zeigen aber die Vielseitigkeit eines bedeutenden Künstlers der Moderne und zeugen von der frühen Beschäftigung mit einem Lebensthema, das die Ausstellung „Liebeszeichen“ gut sichtbar bestimmt.

Zur Eröffnung am 5. September um 11.30 Uhr im Reinbeker Schloss spricht Thomas Sello, ehemaliger Museumspädagoge der Hamburger Kunsthalle, die einführenden Worte. Zu sehen ist die Ausstellung
Mi bis So von 10 bis 17 Uhr

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