26. August 2020
Reinbek

„Aufbruch“ in eine neue Kunstära

Bilder der Hamburgischen Sezession sind im Schloss Reinbek zu sehen

Kunst

Die Kuratoren Bernd E. Kraske (li.) und Rudolf Zahn haben die Bilder für diese Ausstellung ausgewählt Foto: Keber

REINBEK Kantige Gesichter, markante Striche, ungewöhnliche Farbgebung: Am 14. Dezember 1919 eröffneten junge eigenwillige Maler und Bildhauer der gerade erst gegründeten Hamburgischen Sezession ihre erste Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle.

„Mit dieser Aufbruchstimmung war Hamburg spät dran“, erzählt Bernd M. Kraske, Stiftungsvorstand der Sammlung Italiaander. „In München, Berlin, Wien und anderen Städten gab es schon seit den 1890er Jahren derartige Künstlervereinigungen. In Hamburg brauchte es wohl erst den gesellschaftlichen Wandel nach dem Ersten Weltkrieg mit dem Zerfall des Kaiserreiches.“ Nichts war mehr so wie es war. Neues sollte entstehen; auch und gerade in der Kunst. „Bis 1919 beschränkten sich die hanseatischen Künstler auf etwas ‚hausbackene“ Kunst: Blumen, Stillleben, Fischerkaten im Abendschein“, so Kraske.

Den Sezessionisten ging es aber um eine bewusste und programmatische Abspaltung von herkömmlichen und offiziellen Künstlervereinigungen, und um einen Aufbruch zu neuen Zielen. Ihre Ausstellungen, deren begleitende Vorträge und legendären Künstlerfeste erlangten über 14 Jahre hinweg bis 1933 weit über Hamburg hinaus große Resonanz. In Hamburg wollte man alle Künste zur Geltung bringen – nicht nur Maler, auch Schriftsteller wie Erika und Klaus Mann, Schauspieler wie Gustav Gründgens, Musiker, Architekten und Bildhauer waren hier willkommen.

Ein Kreis von Individualisten

„Einen einheitlichen Stil gab es allerdings nicht“, so Kurator Kraske. In den Werken der Sezessionisten spiegeln sich die künstlerischen Strömungen ihrer Zeit wieder; des Expressionismus etwa oder auch der Neuen Sachlichkeit. Manche standen unter dem Einfluss der Arbeiten Edvard Munchs, andere suchten den Anschluss an die Pariser Schulen der 20er Jahre. „Es war ein Kreis von Individualisten“, so Kraske. Zu ihren wichtigsten Vertretern gehörten Anita Rée, Grete Wohlwill, Eduard Bargheer, Willem Grimm, Erich Hartmann, Karl Kluth, Emil Maetzel, Dorothea Maetzel-Johannsen und Rolf Nesch.

Ihre politische Scharfzüngigkeit war konservativen Kreisen allerdings lange ein Dorn im Auge. Anfang 1933 – die Forderung, jüdische Mitglieder auszuschließen stand im Raum – löste sich die Hamburgische Sezession selbst auf, um einem Nazi-Verbot zuvor zu kommen. Die erneute Gründung im Jahr 1945 blieb weitgehend ohne Widerhall; sie wurde 1952 wieder aufgelöst.

In der Ausstellung „Aufbruch – die Hamburgische Sezession“ präsentieren die Stiftungsmitglieder im Schloss Reinbek 34 Werke von 16 Künstlerinnen und Künstlern, die der Sammler Rolf Italiaander zusammengetragen hat.

„Nicht alle Exponate stammen dabei aus der Sezessionszeit. Etliche sind nach dem Krieg entstanden, als Italiaander als Erster Sekretär der Hamburger Akademie der Künste zu vielen der ehemaligen Sezessionisten in freundschaftlichem Kontakt stand“, so Kraske, der am Sonntag, 6.9. und 11.10. jeweils 11.30 Uhr eine öffentliche Führung durch die Ausstellung anbietet. „Aus seinen persönlichen Kontakten zu Rolf Italiaander und diversen Künstlern dürfen sich die Besucher auf so manche Anekdote freuen“, sagt Stiftungsmitglied Rudolf Zahn.

Die Bilder sind bis zum 18. Oktober 2020, jeweils Mittwoch bis Sonntag von 10–17 Uhr in der 1. Etage vom Schloss Reinbek zu sehen

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