21. Juli 2021
Friedrichsruh

Spannende Fakten anschaulich erklärt

Sonderausstellung zur Reichsgründung

Gemälde

Die Proklamierung des deutschen Kaiserreiches am 18. Januar 1871. Anton von Werner schuf das Gemälde 1885. Es ist die einzige erhaltene Fassung von vier Originalen Foto: Otto-von-Bismarck-Stiftung

FRIEDRICHSRUH Vor 150 Jahren wurde der deutsche Nationalstaat gegründet. Ein Datum, an dem auch die Otto-von-Bismarck-Stiftung nicht vorbeikommt. Deshalb läuft im Bismarck-Museum in Friedrichsruh eine Sonderausstellung zum Thema „1870/71. Reichsgründung in Versailles“.

Normalerweise ist die Familie Bismarck verantwortlich für alles, was die Besucher im Bismarck-Museum in Friedrichsruh bei ihrem Rundgang durch die Räume erwartet. Außer Säbeln, Kleidung und Orden des berühmten Staatsmannes Otto von Bismarck gehört auch sein Arbeitszimmer dazu. Nun ist in dem historischen Fachwerkhaus direkt gegenüber vom Schloss auch die aktuelle Sonderausstellung untergebracht. Sie beleuchtet jenseits jeglicher Heldenverehrung historische Prozesse und entwirft ein differenziertes Bild von der Zeit der Reichsgründung.

Highlights und Hintergrund

Auf überschaubarer Fläche hat Dr. Maik Ohnezeit, der die Ausstellung kurariert hat, sehr viel Geschichte untergebracht. Außer dem berühmten Gemälde der Kaiserproklamation und dem Reichswappen sind dort unter anderem auch ein Napoleonporträt, ein Stuhl und ein Tisch vom Vorfrieden in Versailles und ein französisches Schnellfeuergeschütz aus dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 zu sehen.

Außer diesen optischen Highlights sorgen Originaldokumente und gut gemachte Begleittexte für aufschlussreiche Hintergrundinformationen und liefern – auch für Schulklassen – einen guten Einblick in die Zeit der Reichsgründung. Ein eigener Raum ist dem Thema „Versailles“ als Begegnungsort der Deutschen und Franzosen gewidmet – vom Schauplatz der Niederlage und der Demütigung zum Symbol der deutsch-französischen Freundschaft.

Erinnerung und Rezeption

„Wir haben immer im Hinterkopf, dass wir zu Europa gehören“, sagt Natalie Wohlleben, Sprecherin der Otto-von-Bismarck-Stiftung.Ein Teil der Ausstellung ist übrigens im Friedrichsruher Bahnhof zu sehen, in dem die Stiftung ihren Sitz hat. Hier geht es um die Aspekte Rezeption und Erinnerung. „Eine einheitliche Sicht gibt es allerdings nicht“, fasst Dr. Maik Ohnezeit zusammen: „Im Gegenteil, es geht rauf und runter mit der Erinnerung. Was wir in der Ausstellung wiedergeben, sind Fakten und der aktuelle Stand der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit einem kontrovers diskutierten Thema.“

Die Ausstellung läuft noch bis zum 14. November und ist dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr und ab Oktober von 10 bis 16 Uhr bei freiem Eintritt in Friedrichsruh zu sehen.

Virtueller Rundgang: www.bismarck-stiftung.de

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