17. September 2022
Bergedorf

Frustriert vom Klimawandel

Förster Tim Laumanns „Das Bergedorfer Gehölz wird uns wegbröseln“

Förster Tim Laumanns (56) unter dem – noch – dichten Blätterdach Foto: Gerullis

BERGEDORF In dieser Woche werden im Bergedorfer Gehölz zwei majestätische Buchen gefällt. Die gut 200 Jahre alten Riesen stehen an halbwegs prominenter Stelle, nämlich am Weg vom Waldspielplatz des Luisen-Gymnasium zum Bergedorfer Schützenhaus gleich neben dem Billtal-Stadion.

Dass sie jetzt fallen müssen, hat Revierförster Tim Laumanns verfügt – und leidet wahrscheinlich selbst am meisten unter dieser Entscheidung.

„Buchen trifft der Klimawandel ganz besonders. Und das gilt mittlerweile leider auch für ihre Bestände im Bergedorfer Gehölz, das eines der beiden ältesten und damit wertvollsten Waldgebiete Hamburgs ist“, sagt der 56-Jährige. Wie dramatisch die Lage sei, bleibe den Waldbesuchern heute allerdings oft noch verborgen: „Die Buchen bilden von Natur aus ein sehr dichtes Blätterdach. Dass das bei vielen Bäumen bereits jetzt um bis zu 40 Prozent gelichtet ist, fällt dem Laien nicht auf.“

Ein Ort der Naherholung

„Die teils schroffen Täler hinter unserer Försterei sind seit Jahrhunderten ununterbrochen bewaldet. So ist ein Ökosystem entstanden, das nicht allein durch Insekten bestimmt wird, auf die der Begriff Biodiversität ja gern eingeengt wird“, sagt der Förster. „Im Bergedorfer Gehölz geht es auch um die Böden und die Pflanzen sowie die verschiedenen weitergehenden Aufgaben dieses Stadtwaldes. Dazu gehören unter anderem die Naherholung, die Bedeutung als Lebensraum für die Waldtiere und natürlich auch für die Holzwirtschaft.“

Eine echte Perspektive als Nutzwald sieht Tim Laumanns allerdings kaum noch: „Als Förster nehme ich die Auswirkungen des Klimawandels nicht mehr alle paar Jahre in Form einer neuen Stufe wahr, sondern in jeder Saison. Die Waldschäden nehmen mittlerweile exponentiell zu.“ Selbst in einem so alten, gewachsenen Wald wie dem Bergedorfer Gehölz lasse sich angesichts einer solchen Geschwindigkeit kaum gegensteuern. Laumanns stellt zwar schon seit Jahren viele Hektar um, indem er vermeintlich robustere Bäume pflanzt, die wärmere Temperaturen und längere Dürrezeiten verkraften. Doch sein Urteil fällt deutlich aus: „In 40 Jahren wird auch das Bergedorfer Gehölz keine Relevanz mehr für die Waldwirtschaft haben. Dann hat uns der Klimawandel alle nutzbaren Bäume geraubt. Der Wald wird uns in den kommenden Jahren unter den Händen wegbröseln.“

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