23. Juli 2022
Bergedorf

Frischzellenkur für ein Industriedenkmal

Hafenkran wird für 100.000 Euro restauriert

Das Restauratoren-Team hat seine Arbeit begonnen: Hans-Jürger Weber und Jelle Landt bereiten den Ausbau der Glasscheiben vor. In luftiger Höhe inspiziert Eva Wentland den Ausleger, macht Fotos, um den Zustand der Stahlteile zu dokumentieren Foto: Löbenbrück

BERGEDORF Durch die Sanierung der Serrahnstraße hat Bergedorf eine neue Gastro- und Flaniermeile direkt am Wasser bekommen. Mit der Restaurierung des historischen Hafenkrans folgt nun das letzte Puzzlestück.

Für Hans-Jürgen Weber und Eva Wentland bedeutet das zunächst, sich ordentlich die Hände schmutzig zu machen. Denn bevor die beiden Restauratoren mit dem Aufarbeiten beginnen können, muss der gut 120 Jahre alte Elektro-Drehkran von Staub, Vogelkot und Rost befreit werden, der sich hier über Jahrzehnte abgelagert hat. Hilfe bekommen die beiden von Eva Wentlands Freundin Jelle Landt, die gerade Semesterferien hat und mit anpackt. „Erst wenn der ganze Dreck und Rost runter ist, können wir den Zustand der Substanz genau beurteilen und sehen, was gemacht werden muss“, erklärt Eva Wentland.

Dass aber einige Stahlarbeiten notwendig sein würden, um die Standsicherheit des Industriedenkmals zu gewährleisten, war von vornherein klar – und genau darin besteht eine der kniffligsten Aufgaben dieses Projekts: „Die alten Puddel- und Flussstähle sind aufgrund ihrer inhomogenen Struktur und chemischen Zusammensetzung nur sehr schwierig zu schweißen“, weiß Hans-Jürgen Weber.

Um die Jahrhundertwende wurden Metallverbindungen üblicherweise geschraubt oder genietet. Diese Technik soll auch am maroden Ausleger angewendet werden, der einige neue Streben per Nietung verpasst bekommt. Zudem werden die Fensterscheiben ersetzt und die Außenflächen erhalten einen neuen Anstrich, der noch mit dem Denkmalschutzamt abgestimmt werden muss. „Es wird aber wieder ein Grauton werden“, verrät Hans-Jürgen Weber, der in Stade lebt und in den zwei Monaten, die für die Restaurierung angesetzt sind, jeden Tag zwischenfahren wird. Einen kürzeren Arbeitsweg hat Eva Wentland: Die Berlinern kommt bei ihrem Bruder unter, der in den Vierlanden lebt.

Gorch von Blomberg, der die rund 100.000 Euro teure Sanierung für das Bezirksamt begleitet, hat noch eine Bitte an die Bille-Leser: „Für die weitere geschichtliche Aufarbeitung freuen wir uns über Infos, Bilder oder Unterlagen aus den Erinnerungen alter Bergedorferinnen und Bergedorfer, denn zum Kran gehörende Dokumente sind bisher verschollen.“

Kontakt: T 0177/302 25 26 blomberg@projec.co

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