4. September 2021
Bergedorf

35.000 Quadratmeter weniger Wohnraum

Oberbillwerder: So sieht der aktuelle Stand aus

So stellen sich die Planer Oberbillwerder vor Foto: IBA Hamburg

So stellen sich die Planer Oberbillwerder vor Foto: IBA Hamburg

BERGEDORF Oberbillwerder wird auf Sand gebaut – zumindest die Straßen, öffentlichen Flächen und der grüne Ring, der sich durch den Stadtteil zieht und in den alles Oberflächenwasser geleitet werden soll. Wo die dafür benötigten eine Million Kubikmeter Sand herkommen könnten, beschäftigt derzeit die Planer. Welche „Schwarzbrotarbeit“ zuletzt noch zu tun war, berichteten IBA-Geschäftsführerin Karen Pein und Hamburgs Oberbaudirektor Franz-Josef Höing auf der Jahrespressekonferenz.

Weil in der Bergedorfer Koalitionsvereinbarung eine Verkleinerung Oberbillwerders um fünf Prozent festgeschrieben wurde, musste noch einmal Hand angelegt werden an den Masterplan. „Wir haben umfangreiche Variantenprüfungen vorgenommen und das hat relativ lange gedauert“, so Karen Pein. Letztendlich entschied man sich für eine Reduzierung der Fläche am Saum: Im gesamten Randbereich, vom Bahndamm in Richtung Norden bis nach Bergedorf-West, wurden insgesamt sechs Hektar abgenommen. Deshalb musste an vielen anderen Stellen nachjustiert werden: Hier wurde ein öffentlicher Platz versetzt, dort wurden aus drei Reihenhauszeilen zwei, an anderer Stelle wurden Baufeldbreiten überarbeitet. Das führt zu insgesamt 35.000 Quadratmeter weniger Wohnraum in Oberbillwerder.

Die Dimension bleibt dennoch gewaltig: Auf 118 Hektar entstehen 6000 bis 7000 Wohneinheiten im Hamburger Drittelmix. Geplant wird mit 2,2 Personen pro Haushalt, das entspricht 13.000 bis 15.000 Einwohnern. Dazu kommen vier Schulen, 14 Kitas, 14 soziale Einrichtungen, ein Schwimmbad und die HAW, die sich nicht mit einem großen Campus, sondern kleinteilig in das neue Quartier einfügen möchte.

Keine geparkten Autos am Straßenrand

Die benachbarten Stadtteile Bergedorf-West und Neuallermöhe werden über Grünachsen angebunden. Der motorisierte Individualverkehr soll durch Fuß- und Radwegenetze, alternative Mobilitätsangebote und den Ausbau der S-Bahn – geplant ist eine Taktverengung und der Einsatz von Langzügen – so gering wie möglich gehalten werden. „Wir wollen das Auto nicht vollständig aus dem Stadtteil verbannen“, betonte Franz-Josef Höing, vielmehr solle der ruhende Verkehr aus dem öffentlichen Raum verdrängt werden. Autos stehen nicht am Straßenrand, sondern werden in elf sogenannten „Mobility Hubs“ gestapelt, die keine klotzigen Parkhäuser, sondern mit ihrer besonderen Architektur, Ladenzeilen und öffentlichen Flächen im Erdgeschoss und angrenzendem Quartiersplatz belebte Zentren sein sollen.

Bis es so weit ist, werden aber noch Jahre vergehen. Aktuell sieht der Plan so aus: „2023 oder 2024“, so schätzt Pein, sobald das Bezirksamt Baurecht geschaffen hat und eine Baustraße in das Gebiet errichtet wurde, können die Sandaufschüttungen starten, die allein sich über zehn Jahre erstrecken werden. Wohnungen sollen ab dem Jahr 2024 vermarktet, der Hochbau 2026 begonnen werden. Ab 2027/28 könnten erste Bewohner einziehen. Wann Oberbillwerder fertig wird? „Ich hoffe bis 2040, wenn ich in den Ruhestand gehe“, so Karen Pein.

Hamburgs Oberbaudirektor Franz-Josef Höing und IBA-Chefin  Karen Pein stellten die aktuelle Planung für Oberbillwerder auf einer hybriden Pressekonferenz vor
Hamburgs Oberbaudirektor Franz-Josef Höing und IBA-Chefin Karen Pein stellten die aktuelle Planung für Oberbillwerder auf einer hybriden Pressekonferenz vor

Auch interessant