7. Oktober 2020
Bergedorf

Wo die Vergangenheit das Leben bestimmt

Fotoband zur ehemaligen Grenze erschienen

Trabi

Den Trabifriedhof hat Achim Sperber bei Falken entdeckt Fotos: Achim Sperber / Franziska Klotz

BERGEDORF Die innerdeutsche Grenze, die das Land seit 1952 in Ost und West teilte, gibt es nicht mehr. Aber eine tiefe Narbe, die noch immer sichtbar ist. Die Bilder des Fotografen Achim Sperber (70) aus Kirchwerder zeugen davon. Und sollen die Menschen dazu anregen, in ihrem Heimatgebiet auf Spurensuche zu gehen.

Per Fahrrad und zu Fuß erkundete der Fotojournalist Achim Sperber den Stand der Vernarbung am ehemaligen Grenzstreifen. Besondere Menschen, Tiere und Orte – alles, was ihm begegnete, hat er mit seiner Kamera festgehalten. Dabei entstanden Bilder, die die Spuren der Geschichte von Abgrenzung und Teilung zeigen, 31 Jahre nach dem Fall der Mauer. „Ein kleines Reisebuch“ nennt Achim Sperber sein jüngstes Werk, für das er den 1400 Kilometer langen Streifen, der einst Ost und West trennte, bereiste. Titel: Grenzerkundungen – Von der Ostsee bis Bayern“.

Am Priwall stieg er aufs Rad und fuhr los. Unterwegs traf er ein Ehepaar, dessen Leben deutlich von der deutsch-deutschen Teilung geprägt ist. Es musste im Zuge der DDR-Aktion „Ungeziefer“ den eigenen Bauernhof verlassen, weil er im Grenzgebiet lag. Zwangsumgesiedelt in die Nähe von Dresden, kehrten die beiden nach Grenzöffnung in ihre Heimat zurück – mit gemischten Gefühlen, wie Sperber weiß, der sich lange mit ihnen unterhalten hat. Auch die Wut der Menschen, die sich nach der Wiedervereinigung abgehängt fühlen, kann Sperber, der im übrigen der SPD nahe steht, seither manchmal gut verstehen.

Beeindruckt hat ihn die Schönheit der Landschaft, etwa der Nationalpark Hainich und das Harzvorland. Besonders aber die kleinen Grenzmuseen haben es dem „Grenzgänger“, der in Geesthacht aufwuchs, angetan. In einem fand er die Auslobung der Belohnung für einen Todesschützen: 1500 Mark. Der jüngste Todesschütze, erfuhr er dort, kaufte sich von dem Geld einen Kassettenrekorder. Etwa 50 solcher meist ehrenamtlich betriebenen Museen gibt es im ehemaligen Zonenrandgebiet. „Sie sind wichtig für Schüler, da die Geschichte dort anschaulich gezeigt wird“, sagt er.

Seine Reportagen für Merian, Geo und Stern führten Sperber um die halbe Welt. Auch der Grenzstreifen ist für ihn kein unbekanntes Terrain. Im Auftrag des Bundesministeriums fotografierte er ihn lange Zeit vom Westen aus. Und jetzt also auch von der anderen Seite.

Das Buch (ISBN 978-3-86530-259-5) mit Texten von Arno Surminski und Peter Wensierski kostet 18 Euro, erhältlich bei Achim Sperber unter Tel. 040 / 723 90 70

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