15. Juli 2020
Bergedorf

„Was ist denn daran ökologisch?“

Ende der Förderung für alte Solarstromanlagen

Solar

Auch Privatpersonen können sich eine Solarstromanlage installieren lassen Foto: zstock/adobe

BERGEDORF Neue Förderprogramme in Hamburg und Schleswig-Holstein unterstützen private Klimaschutzmaßnahmen wie etwa Photovoltaikanlagen. Aber: Ab 1. Januar 2021 entfällt für Photovoltaik-Anlagen, die älter als 20 Jahre sind, die Förderung aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG).

„Ein Unding“, findet Frank Hamatschek. Der Neuallermöher baute sich 1998 eine Photovoltaikanlage aufs Dach seines Reihenhauses: „Diese Anlagen wurden damals von der Stadt Hamburg und ab dem Jahr 2000 nach dem EEG gefördert. Das EEG regelt die bevorzugte Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Quellen (z.B. Sonnenergie) ins Stromnetz und garantiert deren Erzeugern feste Einspeisevergütungen.

„Bis jetzt ist alles super gelaufen“, sagt Hamatschek. „Meine Anlage hat z.B. letztes Jahr 3400 KWh erzeugt. Das ist mehr als unsere Familie selbst an Strom verbraucht.“

Aber nun fällt seine Anlage, obwohl sie noch tadellos funktioniert, ab 1. Januar aus der Förderung, wundert sich der 63-Jährige. Auf Nachfrage erfuhr er, er solle entweder den Strom selbst verbrauchen. Dann müsste er aber 40 Prozent der EEG-Umlage selbst zahlen und zusätzlich in Akku-Speicher investieren. Oder den Strom an der Leipziger Strombörse verkaufen. „Dieser Preis ändert sich aber ständig“, ärgert sich der Neuallermöher. „Sobald er unter Null geht, soll man seine Anlage ausschalten und den Strom ungenutzt verpuffen lassen. Was ist denn daran ökologisch?“

Es gibt auch die Möglichkeit, sich einen Partner zu suchen, der den Strom kauft. Das sogenannte PPA Power Purchase Agreement. Als der Neuallermöher ein Angebot einholen wollte, erfuhr er, „dass nur Verträge ab 100 KWP gemacht werden. Meine Anlage – und die ist für private Hausanlagen schon groß – hat 4,32 KWP.“
Mit diesem Problem steht Frank Hamatschek nicht allein da. Bereits im Februar hat ein breites Bündnis aus u.a. dem Solarenergie-Förderverein Deutschland, dem Bund der Energieverbraucher, der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie und dem Bündnis Bürgerenergie eine Petition gestartet, die den Weiterbetrieb dieser Ü20-Anlagen über das kommende Jahr hinaus fordert.

In der Resolution (weact.campact.de/petitions/wir-brauchen-jetzt-ein-recht-auf-solare-eigenversorgung-hausgemachte-energie-fur-alle) wird daran erinnert, dass 2021 Photovoltaik-Anlagen mit insgesamt 114 Megawatt Leistung aus der Solarförderung fallen, bis 2025 sogar mit mehr als einem Gigawatt. „Durch den Wegfall der Förderung besteht die Gefahr, dass voll funktionsfähige und robuste Photovoltaikanlagen frühzeitig abgebaut werden. Diese Situation widerspricht einer ökologisch nachhaltigen und dringend notwendigen Energiewende im Strombereich“, so die Unterzeichner.

Sie fordern daher von der Bundesregierung u.a. eine Abnahmepflicht für Strom aus Photovoltaik-Anlagen – unabhängig vom Alter – und die von der EU vorgesehenen Regelungen zur Abgaben- und Umlagenbefreiung, wenn Photovoltaik-Anlagen zum Eigenverbrauch genutzt werden.

Hamburger Besitzer älterer Solarstromanlagen können sich an Frank Hamatschek unter Tel. 040/73580363 oder per Mail hamatschek@online.de wenden. Der will dann eine Anfrage an die Bergedorfer Bezirksversammlung und den Hamburger Senat stellen

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