30. April 2022
Billbrook

Zeichen gegen Rechts und für das Gedenken

An Brandanschlag soll würdig erinnert werden

Die Gedenkstätte befindet sich an dem Ort, wo Nguyen Ngoc Châu und Ðo Anh Lân begraben waren, die Grabstellen sind aufgelöst Foto: Timm

BILLBROOK/BILLSTEDT Die Bezirksversammlung Mitte fasste in ihrer jüngsten Sitzung zwei Beschlüsse, die zeigen, dass sich die Abgeordneten klar für Gedenken und gegen Rechts aussprechen.

Kann Erinnern auf dem Öjendorfer Friedhof versteckt werden? Man muss schon ein wenig suchen, um das Denkmal für Nguyen Ngoc Châu und Ðo Anh Lân zu finden. Die beiden kamen 1980 in einem Flüchtlingsheim an der Halskestraße ums Leben – es war der erste rassistisch motivierte Anschlag in der damaligen Bundesrepublik.

Die beiden jungen Männer waren „boat people“, Flüchtlinge aus Vietnam. Vom Rettungsschiff „Cap Anamur“ geborgen, waren sie erst kurz vor dem Anschlag im August 1980 nach Hamburg gekommen. Der eine war gerade 18 Jahre alt, er starb eine Woche nach dem Brandanschlag im Krankenhaus Boberg, der andere 22 Jahre alt, er starb am Morgen nach dem Geschehen. Die Täter wurden gefasst und verurteilt, sie gehörten zu den sogenannten Deutschen Aktionsgruppen.

Schon vor drei Jahren verlangte der Hauptausschuss der Bezirksversammlung Mitte, in der Nähe des Tatorts (heute ist dort ein Hotel) einen würdigen Gedenkort zu schaffen. Außerdem soll die Halskestraße von der Andreas-Meyer-Straße bis zur Ecke Neue Friedhöfe/Halskestraße in Châu-und-Lân-Straße umbenannt werden. Davon, so ist der damaligen Beschlussvorlage zu entnehmen, habe die Behörde für Kultur und Medien (BKM) schon 2015 abgeraten, ein vietnamesischer Verein sich ebenfalls dagegen ausgesprochen und von der „entsprechenden Initiative distanziert“.

Die Bezirksversammlung bleibt allerdings hartnäckig. In ihrer Sitzung verlangt sie ein zweites Mal die Umbenennung des Straßenabschnitts, auch die Bushaltestellen sollen einbezogen werden. Die Abgeordneten bitten den Bezirksamtsleiter mit der BKM zu prüfen, ob in unmittelbarer Nähe des früheren Heimes ein würdiger Gedenkort geschaffen werden kann. Der Beschluss fällt einstimmig.

Entsprechend fallen auch die Äußerungen der Abgeordneten aus. Beispiele: Henrike Wehrkamp (Grüne) findet es „absolut notwendig“. Die Linken begrüßen die Initiative einhellig, Irene Appiah (SPD) spricht sich ebenfalls dafür aus, das historische Ereignis auf keinen Fall zu ignorieren.

8. Mai hervorheben

Aber die Abgeordneten fällen noch eine zweite Entscheidung. Der 8. Mai soll durch Senat und Bürgerschaft zu einem Esther-Bejarano-Gedenktag erklärt werden. Die KZ-Überlebende Bejarano hatte sich als Zeitzeugin engagiert und war im vergangenen Jahr gestorben.

In der Runde der Abgeordneten gibt es auch dafür Zustimmung. CDU-Fraktionschef Gunter Böttcher findet, ein solcher Gedenktag sei nach der Etablierung der Woche des Gedenkens folgerichtig. Henrike Wehrkamp sagt, ob es ein Symbol bleibe, hänge ein Stück weit von den Akteuren ab. Timo Fischer, Vorsitzender der FDP-Fraktion meint, die Bedeutung des Tages könne man nicht „hoch genug einschätzen“. Die AfD enthält sich, die anderen Parteien stimmen zu.

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