22. Januar 2022
Billbrook

Wer hat das erlaubt?

Billstedter Regionalpolitik schaltet sich in Hermes-Diskussion ein

Das Hermes-Logistikzentrum bringt nachts offensichtlich Nachbarn um den Schlaf Foto: Timm

BILLBROOK Offensichtlich weiter ungeklärt ist die Frage, wie es mit der nächtlichen Lärmbelastung durch das Hermes-Logistikzentrum in Billbrook weitergeht.

Dort, wo sich die B5 mit dem Schiffbeker Weg, der Gelben Brücke und der Bille kreuzt, ist es schon tagsüber laut. Die Wohnhäuser an der Geesttwiete stehen mitten im Geschehen. Bewohner wehren sich dagegen, dass auch nachts keine Stille einkehrt: Im Hermes-Logistikzentrum auf der anderen Seite der B5 ist nachts Hochbetrieb.

Der Billstedter Regionalausschuss hat in seiner Januarsitzung einen klaren Beschluss verabschiedet: Die Abgeordneten wollen Einsicht in den Bauantrag, das Lärmschutzgutachten, die Baugenehmigung und die Arbeitsgenehmigung für den 12. Dezember 2021 bekommen. Nach Auskunft des Bezirksamts wird die Einsichtnahme gerade vorbereitet. Die Regionalpolitiker verlangen eine neue, unabhängige Lärmschutzmessung und Information über die Ergebnisse.

Interessant ist die Beschreibung des Zustands, mit dem der Beschluss begründet wird. „Gerade wenn andere Betriebe geschlossen sind und auf der B5 wenig Verkehr ist, sticht der Lärmpegel bei Hermes noch mehr heraus“, heißt es in dem Papier. Konsequenz seien erste Krankheiten bei den Nachbarn.

Als Störquelle wird ein Transportfahrzeug, genannt Wiesel, ausgemacht. Dies bringe leere Container zu den Terminals und lasse diese unsanft auf den Boden fallen. Auch das Fahrzeug selber produziert beim Anfahren und Bremsen eine entsprechende Geräuschkulisse – und das alle drei Minuten.

Dazu bemerkt Hermes-Sprecher Sebastian Kaltofen, die Geräusche resultierten aus „mechanischen Senk- und Hebevorgängen der Wechselaufbaubrücken. Dies sind leider Arbeitsprozesse, die sich nicht vermeiden lassen. Der dadurch entstehende Geräuschpegel befindet sich innerhalb des erlaubten Rahmens.“ Das Unternehmen, heißt es in dem Beschluss weiter, beziehe sich auf ein Gutachten, dass es selbst in Auftrag gegeben habe, laut Bezirk Mitte ist das sogar die Pflicht eines Antragstellers bei einer Baugenehmigung.

Papiere für andere Logistikzentren zeigten, „dass Maßnahmen zum Lärmschutz unbedingt notwendig sind“. Das Industriegebiet Billbrook befinde sich in einem Tal, der Höhenunterschied zu dem Wohngebiet betrage rund 25 Meter, „wodurch der Lärm im Wohngebiet noch einmal lauter ist“.

Absprachen sind üblich

Gerüchte, das Projekt in Billbrook sei „ganz oben“ verabredet worden, werden vom Amt im Prinzip bestätigt: Bei Investitionen dieser Größenordnung erfolge „vielfach“ vorab eine Beteiligung unter anderem der Senatsbehörden und des zuständigen Bezirks-amts. „Das erfolgte auch im vorliegenden Fall.“ Das immissionschutzrechtliche Ermittlungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen.

Zeit für Signale

Dass das Hermes-Logistikzentrum „ganz weit oben“ verabredet wurde, pfeifen die Billbrooker Spatzen schon lange von den Dächern. Nun kommt vom Bezirksamt die – wenn auch ein wenig indirekte – Bestätigung. Niemand wird ernsthaft annehmen, dass auf der Ebene der Bezirksversammlung noch ein NEIN durchsetzbar wäre, wenn die „Vorabbeteiligung“ schon – aus Sicht der Bauherrn, wohlgemerkt – erfolgreich war. Was ein solches Vorgehen darüber aussagt, wie ernst man Bezirkspolitik nimmt, liegt wohl auf der Hand.
Apropos ernsthaft: Dass die Hermes-Anlage schließt, wäre mehr als unrealistisch. Aber positiv wäre ein Signal an lärmgeplagte Nachbarn: Sie können gewiss Lärmschutzfenster gebrauchen, die Hermes aus der Portokasse finanzieren kann. Kundenpflege wäre das allemal: Schließlich profitieren die Paketexperten massiv von der coronabedingten Online-Kaufwelle. Und übrigens: Niemand sollte warten, bis eines Tages ein Ermittlungsverfahren abgeschlossen ist. Handeln kann man sofort. Frank Berno Timm

Auch interessant