14. April 2022
Billbrook

Schmuckstück im Bauhaus-Stil

Stellwerksgebäude Billbrook aufwändig saniert und fit für die Zukunft

Das Billbrooker Stellwerksgebäude im neuen „Look“ (oben) und auf einer Aufnahme von 1928 Repro: Verlag Boysen & Maasch, 1929

BILLBROOK Das Schmuckstück ist fast fertig: An der Moorfleeter Straße erhebt sich das historische Stellwerksgebäude des Bahnhofs Billbrook, das die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) denkmalgerecht saniert haben. Die Vorgängerfirma des heutigen Busunternehmens hatte an der Moorfleeter Straße auch früher schon das Sagen.

Sorgfältig strukturierte, dunkel-lila Klinkerfassaden, ein steil aufragender, gedrungener Bau mit großer Fensterfront im zweiten Stock, von der Straße nicht sichtbar sogar ein paar alte Keramik-isolatoren, an denen einst Leitungen befestigt waren. Wer sich ein wenig mit Eisenbahn beschäftigt, erkennt das Haus schnell als Stellwerk, ein paar Gleise liegen sogar noch in der Nähe, und sie werden auch benutzt.

Abstellfläche für 41 Elektrobusse

Hausherrin sind die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH). Nasrollah Mozdehi, Leiter eines Teams für die Sanierung, bekräftigt, das Gebäude sei Teil deutscher Kultur: „Das wollten wir behalten.“ Zwar werde jeder Zentimeter für die Elektromobilität benötigt, und Denkmalschutz sei aufwändig und teuer, das Unternehmen habe trotzdem saniert – die Deutsche Stiftung Denkmalschutz steuerte 50.000 Euro bei.

Wieso Elektromobilität? Aus dem Fenster im ersten Stock ist gut zu sehen, dass auf dem Gelände weiter gebaut wird. Bis Anfang 2023 werden hier Abstellplätze für 41 Elektrobusse der VHH geschaffen, zehn der neuen werden Gelenkfahrzeuge sein. Die sonst hier schon geparkten Busse sind, solange gebaut wird, auf einen angemieteten Platz in der Nähe ausgelagert.

Das Stellwerksgebäude wird, gemeinsam mit einem benachbarten Neubau, die notwendigen Räume für 100 Mitarbeiter bieten, die hier arbeiten und 17 Linien der VHH bedienen werden, darunter auch sechs, die in Billstedt verkehren.

Details sorgfältig beachtet

Dass die VHH es mit einer denkmalgerechten Sanierung durchaus ernst gemeint hat, zeigen Details: Im ersten Stock wurden die ursprünglich existierenden Fenster vervollständigt, nun kann man wieder auf die Straße schauen. Und die Treppe in den ersten Stock ist durchaus nicht barrierefrei, sondern gut steil.
Das Gebäude von Fritz Walter (1874-1957) stammt aus dem Jahr 1928 und ist im Bauhaus-Stil gehalten. Die Denkmalsliste verzeichnet außer dem Bahnhof noch weitere geschützte Bauten: ein Güterschuppen, Empfangsgebäude, Reste von Gleisanlagen und anderes, die ersten Bahnanlagen waren hier 1906 entstanden.

Personenzüge fahren hier allerdings schon länger nicht mehr. Ursprünglich hieß der Bahnhof übrigens Billwärder. Es gab die gleichnamige Billwärder Industriebahn (BIB) und die Züge der Hamburger Marschbahn endeten hier. Die Bergedorf-Geesthachter Eisenbahn, das Vorgänger-unternehmen der Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein, hatte hier in Billbrook 1921 die Betriebsführung übernommen, wie beim Verein Südstormarnsche Kreisbahn nachzulesen ist.

Nasrollah Mozdehi leitet die Arbeiten in Billbrook und steht am Fenster des alten Stellwerksgebäudes Fotos: Timm

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