6. November 2021
Billbrook

Noch ein Papier für die Zukunft

Größtes Industriegebiet außerhalb des Hafens soll aufgewertet werden

Gequälte Bäume, abgestellte Lkw und riesige Produktionshallen – so sieht eine Straßenszene in Billbrook aus Foto: Timm

BILLBROOK Das kommt einem bekannt vor: Nach einem Erneuerungskonzept von 2016 hat der Senat erneut ein Programm vorgestellt, mit dem das größte Industriegebiet außerhalb des Hamburger Hafens, das von Billbrook bis nach Rothenburgsort reicht, aufgewertet werden soll.

Ein Paradies sind die rund 770 Hektar (was gut 1000 Fußballfeldern entspricht) wirklich nicht. Aber: Hier arbeiten laut Wirtschaftsbehörde mehr als 20.000 Menschen in mehr als 1000 Betrieben. Speditionen und Lager, Baufirmen, Chemie- und Kunststoffproduzenten, Entsorgung, Großhandel und Maschinenbau sind hier zu finden.

Mehr als 90 Prozent der Fläche, vermeldet der Senat, sind in privater Hand. Deshalb sei die angestrebte, „funktionale Erneuerung von Beginn an als einen langfristigen Prozess angelegt“. Wirtschaftssenator Michael Westhagemann verkündet Ähnliches wie sein Vorgänger Frank Horch (beide parteilos) vor fünf Jahren: „Wir wollen das Gebiet in die Zukunft entwickeln“, heißt es bei Westhagemann. Und bei Horch: „In Hamburgs Osten wollen wir der Industrie 4.0 eine Heimat geben.“ Profilierung, enorme industriepolitische Bedeutung – die Begriffe klingen ähnlich.
Heute heißt es nun, der in den vergangenen Jahren eingeschlagene Weg zur Revitalisierung und Modernisierung solle fortgesetzt werden.

Schrittweise Modernisierung des Straßennetzes, Verbesserung der Schiffbarkeit zweier Kanäle, die „Beseitigung der Missstände in der Nutzung des öffentlichen Raums“ und die Entwicklung eines Konzeptes für die Billstraße durch das Bezirksamt werden genannt.

So soll die Halskestraße erneuert werden (zusammen mit der Herrichtung der Veloroute 9). Die drei S-Bahnhöfe würden für knapp 18 Millionen Euro behindertengerecht ausgebaut. Für vier Millionen Euro soll es „Sofortmaßnahmen im Bereich der Kanäle“ geben. Das Flächenpotenzial des ehemaligen Wendebeckens in der Halskestraße soll durch einen sogenannten Mobilitäts-Hub („mit einem idealerweise mehrstöckigen Lkw-Vorstau“) genutzt werden.

Seit 2016 seien zwei bodenbelastete Areale neu genutzt und bebaut worden. Der Klimaschutz wird ebenfalls als wichtig erachtet, eine Klimaschutzmanagerin sei „aktiv im Gebiet unterwegs und unterstützt die Unternehmen“.

Die in der Bürgerschaft oppositionelle CDU kommentierte, ihre Partei habe den Fortschritt „erwirkt“. Der wirtschaftspolitische Sprecher der Fraktion, Götz Wiese, sagte, der Plan könne nur ein erster Schritt sein, der Nachholbedarf sei „riesig“. In Billbrook/Rothenburgsort zeige sich „exemplarisch für die ganze Stadt“, dass der Fachkräftemangel eine dynamische Wirtschaftsentwicklung behindere.

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