3. September 2022
Billbrook

Der Müll muss jetzt umgeleitet werden

Schornsteinbrand Stillstand an der Borsigstraße

In 70 Metern Höhe loderten die Flammen aus dem Schornstein der Müllverbrennungsanlage Foto: CityNewsTV

BILLBROOK Der Einsatz dauerte fast 60 Stunden: Nur mit hohem Aufwand an Feuerwehr-, Fachleuten und Technik konnte einem Schornsteinbrand an der Borsigstraße zu Leibe gerückt werden. Ein Brand in einer Technikhalle der Müllverbrennungsanlage hatte auf den 70 Meter hohen Schornstein übergegriffen.

In der Nacht zum 25. August wird die Feuerwehr an die Anlage an der Borsigstraße gerufen. Ihr Sprecher Torsten Wessely berichtet von Feuer in einem Technikgebäude der Müllverbrennungsanlage, das schon beim Eintreffen der ersten Kräfte auf den Schornstein übergegriffen hatte.
Und dieser Umstand machte die Löscharbeiten mehr als schwierig. Es wurden nicht nur Drehleitern, ein Teleskopmastfahrzeug und ein Feuerwehrkran eingesetzt, um die Feuerwehrleute an die 53 Meter hohe Einsatzstelle zu bringen. Der Spezialkran eines Fachbetriebes wurde ebenfalls benötigt, zur Unterstützung kam dann noch die Werksfeuerwehr aus Brunsbüttel (Schleswig-Holstein). Die Fachleute nutzen schließlich sogar ein Cobra-System: Das Hochdruckwasserschneidegerät kann laut Feuerwehr Wasser an die Brandherde bringen.

Nach dem Einsatz teilte die Feuerwehr mit, es habe keine Gefahr für die Bevölkerung durch Brandgase bestanden – zunächst waren Warnsysteme ausgelöst worden, außerdem zog Rauch Richtung Westen über die Stadt.

Beim Einsatz selbst gab es zwei Leichtverletzte. Zur Einsatzspitze seien rund 150 und in der Folge weitere 100 Leute mit diversen Lösch- und Sonderfahrzeugen vor Ort gewesen. Auch freiwillige Feuerwehren unterstützten die Brandbekämpfung – immer wieder wurden die Einsatzkräfte ausgetauscht. Eine Bausachverständige des Technischen Hilfswerks (THW) inspizierte während der Löscharbeiten den Schornstein und stufte ihn als standsicher ein.

„Mit dem Ereignis in Billbrook sind nur die Brände zweier Kühlhäuser in den 1990er-Jahren zu vergleichen“, sagt Wessely. Und auch noch am Nachmittag nach dem Brandausbruch war bis nach Billstedt dunkler, schwarzer Rauch an dem betroffenen Schornstein zu sehen.
Inzwischen befasst sich die Polizei mit dem Thema. Sprecherin Nina Kaluza sagte, es dürften Wartungsarbeiten an der Müllverbrennungsanlage, bei denen auch ein Trennschleifer eingesetzt worden sei, den Brand verursacht haben. Es geht um fahrlässige Brandstiftung bei den Ermittlungen. Am Samstagmittag war das Feuer gelöscht, eine Brandwache blieb und kontrollierte die Brandstellen regelmäßig.

Wie geht es weiter?

Die Anlage gehört zur Stadtreinigung (SRH). Deren Sprecher Johann Gerner-Beuerle erläuterte, derzeit lasse sich nicht seriös sagen, wie hoch der entstandene Schaden sei. Dies müsse erst durch ein Gutachten festgestellt werden, erst dann kann die Borsigstraße wieder in Betrieb gehen. „Die Entsorgungssicherheit“, fügt der SRH-Sprecher hinzu, sei „nicht gefährdet“. Für solche Fälle gebe es Notfallpläne, der Müll werde umgeleitet. Gerner-Beuerle erläuterte weiter, gebrannt habe es in einem Rauchgaskanal, wo es normalerweise nicht brenne; der aber für hohe Temperaturen ausgelegt sei.

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