23. September 2020
Barmbek

Das stille Leiden der Stadtpark-Bäume

Revierleiterin in Sorge: „Auswirkungen der Hitze-Sommer immer dramatischer“

Besonders die Zierkirschen leiden unter dem Hitzesommer. Einige, wie hier am Eingang zur Liebes-insel, sind bereits abgestorben Fotos: Busse

BARMBEK „Für neutrale Beobachter sieht’s gut aus“, sagt Marieke Schulz-Gerlach mit Blick auf die große Buche am Modellbootbecken. Aber das geschulte Auge der „Oberförsterin“ im Stadtpark erkennt schnell, dass der rund 70 Jahre alte Baum leidet.

„Das Laub ist gelblich, an den Ästen sind die Spitzen trocken, die Krone ist insgesamt viel zu licht“, erläutert sie. Grund dafür seien die extremen Wetterverhältnisse: In den vergangenen drei Jahren hätten hohe Temperaturen und lange Phasen ohne Niederschlag oder Starkregen die Bäume und Büsche im Park an ihre Belastungsgrenze gebracht. Auf einer Radtour durch die Grünanlage macht die Revierleiterin, wie ihre offizielle Berufsbezeichnung lautet, auf viele Bäume aufmerksam, die Schäden zeigen, teilweise kahl oder schon abgestorben sind: Weißdorn, Birken, Haselstrauch, zehn Meter hohe Hainbuchen. „Nach dem ersten Hitzesommer 2018 gab es viele tote Fichten und Birken“, berichtet sie, „in diesem Jahr hat es ganz besonders die Zierkirschen erwischt.“
Von den Japanischen Zierkirschen am Eingang zur Liebesinsel zum Beispiel, die im Frühling mit ihrer rosa Blütenpracht wahre Hingucker sind, stehen schon mehrere nur noch als schwarzes Astgerippe da, andere haben wenige Blätter. Die trockene Luft und die Hitze haben sie anfälliger gemacht für Pilzerkrankungen. Ob sie im nächsten Frühling wieder austreiben, ist fraglich.

„Die Stressfaktoren häufen sich“, weiß Schulz-Gerlach. Nicht nur die erst vor wenigen Jahren neu gepflanzten Jungbäume leiden unter der Trockenheit, auch an den alten Bäumen zeigen sich zunehmend die Folgen der Klimaveränderungen. „Wenn der Boden von der Hitze ausgetrocknet ist, kann er auch den Starkregen gar nicht mehr aufnehmen. Das Wasser perlt einfach ab oder der Boden wird weggespült“, so Schulz-Gerlach. Die dramatische Folge: Nicht nur an der Oberfläche fehlt das Wasser, auch die Verbindung zwischen Oberflächen- und Grundwasser ist unterbrochen, der Grundwasserspiegel sinkt. „Auch bei den alten Bäumen reicht dann der Strohhalm nicht mehr. Die Wurzeln wachsen nicht so schnell wie der Wasserstand sinkt, die Bäume sterben langsam ab“, erklärt sie. An heißen Tagen wird im Park mit bis zu 10.000 Litern Wasser aus dem Stadtparksee und einem Brunnen gewässert, doch das ist der Tropfen auf den heißen Stein. Die Zukunftsplanung für den Park in Hinsicht auf den Baumbestand wird zunehmend schwierig. „Es macht Sinn über neue Arten nachzudenken. Die Ungarische Eiche etwa verträgt Trockenheit besser“, sagt die Stadtpark-Chefin. Gleichzeitig ist ihr bewusst ist, dass Baumarten aus anderen Klimazonen oft keinen Lebensraum für die einheimische Tierwelt bieten. „Die heimische Eiche ist Gastgeberin für rund 300 Insektenarten. Manche Baumarten wie Platane oder Ginkgo, die unser Stadtklima besser vertragen, sind für Insekten völlig wertlos“, erläutert sie.

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