13. November 2021
Winterhude

Vom Schicksal jüdischer Polizisten

Polizeimuseum zeigt neue Ausstellung

Juden

„Juden brauchen wir hier nicht“ heißt die Ausstellung Foto: ch

WINTERHUDE Otto Stern (1899-1989) war einer der besten Fußballer Hamburgs. Mit der Spielvereinigung Polizei wurde er 1927 Deutscher Polizeimeister. Seit 1925 war er Polizist. Ende 1934 wurde er aus dem Polizeidienst entlassen. Den Nationalsozialisten galt Stern als jüdischer „Mischling 1. Grades“.

Weil er Mitglied der Jüdischen Gemeinde war, führten die Nazis ihn zusätzlich als „Geltungsjude“. Deshalb musste er den gelben Stern tragen. So und ähnlich, mitunter schlimmer, erging es auch den anderen 33 jüdischen Polizisten aus Hamburg, deren Lebensläufe derzeit in einer Ausstellung im Polizeimuseum in Wort und Bild dokumentiert sind. Titel: „Juden brauchen wir hier nicht“.

Anhand Personalakten der Polizei und Wiedergutmachungsakten hat der ehemalige Kriminaldirektor Martin Bähr Lebensläufe von 47 Hamburger Polizisten rekonstruiert, 20 mit jüdischen Wurzeln, 21 mit jüdischen Ehefrauen und sechs mit Bezug zur Polizei. 34 sind auf den Schautafeln der Ausstellung dokumentiert, die auch über die Entwicklung der Hamburger Polizei in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus informieren und dabei den wachsenden Antisemitismus in der Hamburger Polizei in diesen Jahren aufdeckt. Im Mai 1933 waren rund ein Drittel der Hamburger Polizeibeamten Mitglieder in der NSDAP. Spätestens 1935 waren alle jüdischen Polizisten und jüdischen Mischlinge 1. Grades in der Hamburger Polizei entlassen oder in den Ruhestand versetzt.

Zu sehen bis 2.1., Carl-Cohn-Straße 39, Di, Mi, Do und So, 11–17 Uhr, Eintritt: 8 (6) Euro, T 4286-680 80

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