29. April 2020
Winterhude

Stadttauben brauchen Hilfe

HTV: Fütterungsverbot abschaffen – doch Stadt zeigt keine Gnade

Stadttauben sind als heimatlose Haustiere auf artgerechtes Futter angewiesen Foto: Haas

HAMBURG/ST. GEORG Ihr Überleben auf der Straße sei kritisch wie nie zuvor: Auf menschenleeren Plätzen fänden verwilderte Haustauben nicht mal mehr Essensreste aus Abfällen. Deshalb forderte der Hamburger Tierschutzverein (HTV) die sofortige Aufhebung des Fütterungsverbots auf öffentlichen Flächen.

Die Antwort aus dem Senat enttäusche, sagte HTV-Sprecher Sven Fraaß. Der Eil-Antrag auf Aussetzung des Taubenfütterungsverbots oder auf Strafverzicht bei Fütterungen auf öffentlichen Flächen wurde abgelehnt. „Dabei gelten in anderen Städten bereits Ausnahmen.“ Schon unter „normalen“ Bedingungen fänden die verwilderten Haustiere kein artgerechtes Futter. In der menschenleeren Innenstadt drohe den standorttreuen Stadttauben jetzt der Hungertod. Der HTV prüft bereits rechtliche Schritte wegen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz.

Tierschützer seien entsetzt ob der „knappen und inhaltlich falschen Antwort“ aus dem Bürgerbüro des Bürgermeisters, sie zeuge „von behördlicher Ignoranz“, so Fraaß weiter. „Dabei hatte der HTV zugesagt, die Einrichtung von Futterstellen und die Kosten für artgerechtes Futter zu tragen.“

Taubenschützer und der Verein „Hamburger Stadttauben“ unterstützten den Vorstoß. „Stellen Sie sich mal vor, Hunde oder Katzen wären jetzt auf unseren Straßen dem Hungertod ausgeliefert.“ So verdeutlicht HTV-Vorsitzende Sandra Gulla die „grausame Taubenpolitik“ der Stadt. In Taubenschlägen schafft der HTV bereits seit Jahren Abhilfe: Dort bekommen die Tiere artgemäßes Futter und ihre Bestände lassen sich tierfreundlich regulieren. Doch wegen Sanierungsarbeiten muss der HTV-Taubenschlag auf der Centrum-Moschee in St. Georg „umziehen“. Dringend gesucht ist eine geeignete Dachfläche nahe der Böckmannstraße. Der HTV übernimmt Kosten, Betrieb und Reinigung des Taubenschlags sowie die Fütterung.

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