1. April 2020
Winterhude

Frühling auf dem Ohlsdorfer Friedhof

In Laub- und Nadelgehölzen ertönen Vogelkonzerte

Graugänse am Prökelmoor, die große Insel im Teich ist ein beliebter Brutplatz Fotos: Haas

OHLSDORF Der größte Parkfriedhof der Welt ist mit 389 Hektar auch Hamburgs größte Grünanlage: Auf Bächen und Teichen tummeln sich Wasservögel. Wo Angehörige die Gräber ihrer Lieben pflegen, können auch Spaziergänger das Naturschauspiel in Ruhe beobachten.

Am Prökelmoor herrscht Hochbetrieb: Grau- und Kanadagänse nutzen die Insel im Teich an der Mittelallee zum Brüten. Zwischendurch flitzen Eisvögel pfeilschnell übers Wasser. Auf einer Info-Tafel stehen Details zu den kleinen, leuchtend blau gefiederten Vögeln. Sogar einen künstlichen Nistplatz aus Lehm schafften Naturfreunde auf der Brutinsel.

Nahe der Kapelle 13 beobachtet Friedhofsgärtner Stefan Polke bei seiner Arbeit im Grünen das Geschehen auf einer Eiche, wo Graugänse, eigentlich Bodenbrüter, seit Jahren „gans hoch oben“ nisten. Traurig sitzt das Baumbrut-Paar jetzt auf dem Rasen. „Die Gans hatte schon genistet“, berichtet der Gärtner. Doch dann wollten andere Graugänse ihr den Nistplatz streitig machen. „Beim Revierkampf ums Nest ging ein bereits gelegtes Ei zu Bruch.“ Stefan Polke fand Eierschalen unter der Eiche, jetzt heißt es abwarten. Der Gärtner deutet er auf einen früh blühenden Rhododendron: Die junge Hummelkönigin kann nach dem Winterschlaf nur für neue Nachkommen sorgen, wenn sie sich an Pollen und Nektar von Blüten stärkt. „Auch in unseren Gärten können wir Hummeln helfen: mit früh blühenden heimischen Blumen und einer naturnahen Gartengestaltung für ihre Nester“, erklärt Polke.

Auf dem Friedhof grüßen sich alle Spaziergänger freundlich, zu zweit oder alleine, im angesagten Abstand. Nur eine kleine Gruppe ist zu sehen: Gottesdienste und Trauerfeiern in den Kapellen sind aktuell ausgesetzt, nur am Grab dürfen bis zu sechs Verwandte noch um ihren verstorbenen Angehörigen trauern.

 

Stefan Polke fand nach Revierkämpfen der Graugänse um den Nistplatz das zerstörte Ei unter der Eiche Foto: Haas

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