1. April 2022
St. Georg

Verdrängung und Mietenwahnsinn

Anwohner demonstrieren für günstigen Mietraum

Mit einer Demo gegen die Gentrifizierung haben die Anwohner auf den Skandal hingewiesen
Foto: Grell

ST. GEORG Die Anwohner St. Georgs gingen am Wochenende gegen massive Mietensteigerung und Verdrängung in ihrem Stadtteil auf die Straße.

In einem Wohnhaus in der Danziger Straße sollen aktuell 15 Mietparteien in Eigentumswohnungen umgewandelt werden, was für die Bewohner einen Rauswurf innerhalb der kommenden sieben Jahre bedeutet, sofern sie nicht selber an einem Kauf des Objektes Interesse zeigen. Die Mieter wollen aber bleiben, und kaum einer kann und will den gigantischen Kaufpreis bezahlen. Die Danziger Straße ist aber kein Einzelfall, denn in den vergangenen Jahren habe es bereits „Hunderte von Umwandlungen in verschiedenen Quartieren mit Sozialen Erhaltungsverordnungen gegeben“, beklagen die verschiedenen Initiativen im Quartier, die sich gegen die Gentrifizierung starkmachen wollen. Und es kommt im Fall Danziger Straße noch schlimmer: Ende 2021 wurde vier Ladenbesitzern zur Jahresmitte 2022 einfach kurzerhand gekündigt. Der erneute Verdrängungsprozess war Anlass genug „noch einmal auf diesen Skandal hinzuweisen“, betont Michael Joho vom Einwohnerverein St. Georg.

Steigerung erwartet

Der Mieterverein zu Hamburg rechnet in diesen Wochen sogar noch mit bis zu 180.000 Hamburger Haushalten, die eine saftige Mietensteigerung erleben werden. Dass Wohnraum trotz Sozialer Erhaltungsverordnung vermarktet wird, will der Stadtteil St. Georg nicht einfach so hinnehmen.

Mikro-Apartments

72 Mietwohnungen seien laut Bericht im „Lachenden Drachen“ in St. Georg zwischen 2012 und dem Jahr 2021 von Miet- in Eigentumswohnungen umgewandelt worden, hinzu käme der Neubau von teuren Mikro-Apartments, bei dem großzügige Wohnungen in mehrere kleine möblierte Einzimmer-Apartments umgebaut und zu überhöhten Preisen vermietet werden. Das stößt auf Protest. „Wir brauchen günstigen Mietraum und keine Luxus-Wohnungen“, erklärt Joho.

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