30. Juli 2022
Wandsbek

Kommen jetzt 700 neue Flüchtlinge?

Pläne für weitere Unterkünfte vorgelegt

Idyllisches Grün mit Zirkus zwischen Am Luisenhof und Tegelweg – bald frei für Flüchtlingsunterkünfte? Foto: tel

WANDSBEK Einen solchen Andrang hat es bei einer Sitzung des Hauptausschusses, der der Bezirksversammlung eigentlich nur zur Überbrückung der Sommerpause dient, selten gegeben: Das Thema Flüchtlingsunterkünfte trieb fast 100 Bürgerinnen und Bürger in die enge Kantine des Bezirksamtes Wandsbek.

Wie das Wochenblatt bereits gemeldet hat, sollen auf der Duvenstedter Festwiese am Puckaffer Weg (bis zu 400 Plätze) direkt neben dem Freibad und auf einer Farmsener Grünfläche (304 Plätze) zwischen Am Luisenhof und Tegelweg neue Unterkünfte eingerichtet werden. Bezirksamtsleiter Thomas Ritzenhoff (SPD) informierte die Ausschussmitglieder und Bürger persönlich: „Wir stehen vor einer großen Herausforderung. Der Ukraine-Krieg hat die Flüchtlingssituation völlig unplanbar verschärft.“ Bislang seien rund 35.000 Ukraine-Flüchtlinge in Hamburg registriert worden, davon seien etwa 31.000 in der Hansestadt geblieben – rund 10.000 öffentlich untergebracht. Jetzt müsse man an alle Reserveflächen ran.

„Wir wollen die Menschen nicht wieder in Zelten unterbringen“, erklärte der SPD-Fraktionsvorsitzende Marc Buttler. Aus dem Publikum, das vom Ausschussvorsitzenden André Schneider mehrfach zur Ruhe ermahnt werden musste, kam scharfe Kritik vor allem zum geplanten Farmsener Standort, wo sich bereits eine Bürgerinitiative gebildet hat: „Bald haben wir hier mehr als 1500 Flüchtlingsplätze in einem Umkreis von 1,5 Kilometern um das Farmsener Zentrum“, erklärte ein Bürger. „Der Stadtteil Farmsen wird immer weiter herunter gezogen“, erklärte eine andere. Im Mittelpunkt der Kritik der Bürger stand vor allem die fehlende Infrastruktur (Schulen, Kitas, Sport- und Grünflächen) und die aus ihrer Sicht ungleiche Verteilung der Flüchtlingsunterkünfte: So seien etwa Blankenese (Bezirk Altona), aber auch Sasel oder Wellingsbüttel bislang glimpflich davon gekommen.

Ungeachtet der massiven Kritik setzten sich die Koalitionäre von SPD und den Grünen schließlich durch. Die gefassten Beschlüsse bedeuten allerdings zunächst nur, dass die Flächen in die betreffenden Listen aufgenommen werden. Doch im Saal machte sich niemand Illusionen, dass es dort letztlich zum Bau der Unterkünfte kommen wird.

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