26. Februar 2022
Wandsbek

Eingriff am Herzen ohne große Operation

Premiere an der Asklepios Klinik Wandsbek erfolgreich absolviert

Dr. Pörner (links) beim Eingriff im Herzkatheterlabor Foto: Asklepios Klinik Wandsbek

WANDSBEK Tolle neue Entwicklung bei Herzkrankheiten. Der Einsatz von sogenannten Carillon Spangen kann bei einem Herzklappenfehler (Mitralklappeninsuffizienz) eine Alternative zu einer schweren Herzoperation sein.

Vor wenigen Tagen fand an der Asklepios Klinik die Wandsbeker Premiere für einen derartigen Eingriff satt.
Am 3. Februar setzten Chefarzt PD Dr. Tudor Pörner und sein Team der Inneren Medizin (Kardiologie und Pneumologie) der Asklepios Klinik Wandsbek zum ersten Mal Carillon Spangen bei Patienten mit funktioneller Mitralklappeninsuffizienz ein.

Bei diesem schonenden minimalinvasiven Eingriff im Herzkatheterlabor wird eine Metallspange über die Halsvene eingeführt und in der großen Herzvene (Koronarsinus) um den Mitralring verankert. So wird der Mitralring gerafft und die Undichtigkeit der Klappe vermindert – und das ohne großen chirurgischen Eingriff. Die Möglichkeit des Einsetzens der Carillon Spangen besteht seit dem Jahr 2011, wurde bisher aber kaum angewandt. „Auch ich stand dieser Methode zunächst skeptisch gegenüber, weil sich nicht sofort eine Verbesserung einstellte“, erklärt Dr. Pörner.

Positive Effekte

Umgestimmt hat ihn und seine Kollegen eine Studie, die im Jahr 2019 veröffentlicht wurde. „Die REDUCE-FMR Studie zeigte deutlich, dass mit Carillon Spangen klinische Erfolge erzielt worden waren. Allerdings zeigen sich die Verbesserungen nicht unmittelbar nach der Operation. Die positiven Effekte sind aber nach einem Jahr eindeutig gewesen.“, so Pörner.

Positiv auch: Der Eingriff über die Halsvene dauert im Normalfall nur zirka 60 Minuten. Eine Vollnarkose ist nicht erforderlich.
Wegen des minimalinvasiven Eingriffs profitieren vor allem ältere Patienten mit Herzschwäche von der neuen Möglichkeit. Ob und bei wem die Methode angewandt werden kann, entscheiden Dr. Pörner und seine Mitarbeiter nach einer genauen Betrachtung der Herzbefunde, der Beschwerden und der sonstigen Patienteneigenschaften in Heart-Team-Konferenzen, an denen auch Herzchirurgen teilnehmen.

Den ersten Patienten, bei denen der Eingriff in Wandsbek erfolgte, sind inzwischen zu Hause. Ihr Gesundheitszustand wird regelmäßig klinisch nachverfolgt. Dr. Pörner: „Wir freuen uns, ein weiteres Tool für die Behandlung von Herzinsuffizienz zur Verfügung zu haben.“

Erklärung der Krankheit: Mitralklappeninsuffizienz

Herzschwäche (Herzinsuffizienz) ist eine Volkskrankheit. Fast vier Millionen Menschen in Deutschland leiden daran. Patienten, die davon betroffen sind, klagen über Luftnot und sind bei körperlichen Belastungen schnell ermüdet.

Eine der häufigsten Krankheiten am Herzen ist die Mitralklappeninsuffizienz. Es handelt sich um einen Herzklappenfehler. Dabei schließt die sogenannte Mitralklappe nicht mehr richtig und ist undicht. Die Mitralklappe ist eine Art Ventil und trennt den linken Herzvorhof (das Atrium) von der linken Herzkammer (dem Ventrikel).

Da die Klappe nicht vollständig schließt, sondern undicht (insuffizient) ist, fließt bei jedem Herzschlag Blut von der Herzkammer zurück in den Vorhof. Bei Zunahme der Undichtigkeit werden Vorhof und Herzkammer immer stärker belastet. Es kommt zu Symptomen der Herzschwäche und Herzrhythmusstörungen. Helfen konnte da bisher meist nur eine aufwendige Herz-Operation. Der Einsatz einer Carillon Spange ist dabei eine von mehreren Behandlungsmethoden, die es ganz individuell abzuwägen gilt.

Chefarzt PD Dr. Tudor Pörner

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