14. Oktober 2021
Wandsbek

Die gute Seele der Friedastraße

Rentner Kittel pflegt Vorgärten und die Gehwege

Werner Kittel ist seit Jahrzehnten der ehrenamtliche Gärtner an der Friedastraße Foto: sim

WANDSBEK Gehwege werden durch das sprießende Grün an vielen Stellen im Kerngebiet Wandsbek immer enger. Unkraut auf dem Streifen zwischen Straße und Gehweg wächst meterhoch, wuchert weit in den Gehweg hinein. Fahrradanlehnbügel sind durch Pflanzenwachstum teilweise verschwunden.

An der Friedastraße jedoch ist alles anders. Der 76-jährige Werner Kittel aus dieser Straße hält Vorgärten, Hauseingänge, Gehwege und die Fahrbahn in Ordnung. Er mäht regelmäßig, sticht die Grasflächen nach vier Seiten ab, schneidet Sträucher, beseitigt Müll und entfernt Unkraut, das sogar aus dem Kopfsteinpflaster der Fahrbahn wächst. Der Rentner beschäftigt sich eigenen Angaben zufolge von Frühjahr bis Herbst etwa vier Stunden in der Woche mit dieser Tätigkeit. Gefühlt sehe man Kittel fast täglich bei der Arbeit an der Straße, meint Helga du Hamél, die auf der anderen Seite der Friedastraße wohnt. Er sei ein „liebenswerter Mensch“. Und alle freuen sich darüber, wie schick die Straße aussieht. Kittel, wie er liebevoll genannt wird, habe seine Arbeiten im Laufe der Zeit erweitert. So sorge er sich auch um das Stück von der Friedastraße bis hin zur Kita an der Rauchstraße sowie um die linke Seite der Gustav-Adolf-Straße zwischen Friedastraße und Bovestraße. „Wenn wir Kittel nicht hätten, würde es ebenso schlimm aussehen wie in vielen Straßen der Umgebung“, betonte Helga du Hamél.

Dem Rentner macht die ehrenamtliche Arbeit Spaß, wie er sagt. Es soll alles schön aussehen. Hin und wieder kann er sich über Komplimente sowie kleine Geschenke von Anwohnern freuen. Helga du Hamél zum Beispiel kommt oft mit einem Stück Torte um die Ecke. Sie war es auch, die das Hamburger Wochenblatt informierte.

Ein Auge fürs Schöne

Werner Kittel, der deutschlandweit im Kunsthandel und als Kunstsachverständiger arbeitete, wohnt seit 1990 an der Friedastraße. Um die Bäume wuchsen Brennnesseln, die etwa 50 Zentimeter hoch waren, erinnert er sich. Niemand habe sich um das städtische Grün gekümmert. So dauerte es nicht lange, bis Kittel Hand anlegte. Die Lust auf Gartenarbeiten wurde bereits in der Kinder- und Jugendzeit geweckt, als Werner die Familie unterstützte. Es sei damals so ein Mix „aus Lust und Pflicht“ gewesen.

Hier macht sich der Rentner bereit für die Gartenarbeit Foto: sim

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