6. April 2020
Ausgabe Wandsbek

Schüler erforschen die Umwelt Sibiriens

Projekt an der Guyla Trebitsch Schule

Sibirien-Reisende: Murielle Dogba (16) und Condoleezza Appiah (17) Foto: M. Burghardt

WANDSBEK/TONNDORF Die Reise nach Sibirien sollte für neun Schüler der Gyula Trebitsch Schule Tonndorf vor allem ein
Bildungsprojekt mit dem Thema „Brücken zum Klimadialog“ sein. Aber gleichzeitig wurde die Reise in die Kälte ein Erlebnis,
das die jungen Menschen ihr Leben lang nicht vergessen werden.

„Es war faszinierend innerhalb von zwei Wochen so viel zu
erleben“, sagen Murielle Dogba (16) und Condoleezza Appiah (17), die an dieser Reise teilnahmen.
Von Hamburg aus führt die Reise zunächst nach Berlin, wo die Schüler mit Politikern über Umweltprobleme diskutieren.

Über Moskau geht der Flug nach Jakutsk, wo die Schüler am 27. Februar landen.
Für die Hamburger ist es saukalt, minus 15 Grad. Für die Schüler aus Jakutsk, die an manchen Tagen Temperaturen
bis zu minus 50 Grad aushalten müssen, ist es für diese Jahreszeit fast zu warm. Ein Zeichen für den Klimawandel?

Die sibirische Gastfreundschaft ist erwärmend, die Jakuten beziehen die Schüler aus Hamburg in das normale sibirische Leben ein.
Knapp 300.000 Menschzen leben in der Hauptstadt der autonomen Republik Sacha (Jakutien).
„Die Stadt liegt auf beiden Seiten der Lena, einem der längsten Flüsse der Welt“, berichtet Murielle.
Bei Jakutsk ist der etwa 4300 Kilometer lange Fluss an manchen Stellen bis zu 30 Kilometer breit.

Aber bis heute gibt es in Jakutsk keine Brücke. Murielle: „Im Winter errichten die Menschen Eisautobahnen
über den Strom. Im Sommer verkehren Fähren.“
Faszinierend für die Schüler sind die Eisskulpturen, die die Bewohner in Parks und vor ihren Häusern errichten.
Die meisten Häuser werden auf Betonpfeilern gebaut, damit die beheizten Wohnungen den Permafrostboden nicht auftauen und destabilisieren.

Im Unterricht diskutieren die Schüler über Umweltprobleme, zum Beispiel über die Entsorgung von
Plastikmüll. Da hapert es noch in Jakutsk. Die Einrichtung eines Pfandsystems wird empfohlen.
Eine der größten Gefahren lauert im Permafrostboden. Die Temperatur in zwölf Meter Tiefe beträgt konstant
minus elf Grad. Eine starke Klimaerwärmung würde zu einem Auftauen der tieferen Schichten führen.
Ein Austrocknen des Bodens wäre die Folge, so dass sich Jakutsk und Umgebung zu einer kalten, unbewohnbaren Wüste verwandeln
würde. „Ich war tief geschockt, als ich das gehört habe“, sagt Condoleezza.

Ihre Eindrücke und Erkenntnisse haben die Sibirien-Reisenden
in einem „Blog“ festgehalten. Darin heißt es: „Durch die Gruppenarbeit ist allen klar geworden, worin die Herausforderungen
für ein nachhaltiges Leben auf unserem Planeten im Einklang mit Natur und Umwelt liegen. Da es sich um Probleme handelt,
die globale Lösungen erfordern, ist ein länderübergreifender Meinungs- und Ideenaustausch wie bei unserem Projekt
„Brücken zum Klimadialog“ ein wegweisender Anfang!“

Das Projekt wird von der Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch,
der Schulbehörde und der Firma LAUT unterstützt. „Der Gegenbesuch aus Jakutsk im November wird wohl wegen der
Corona-Krise ausfallen“, sagt Mathias Burghardt, Lehrer für Physik und Russisch: „Wir werden versuchen, stattdessen ein Online-Projekt durchzuführen.“

Eisskulpturen errichten die Bewohner in Jakutsk vor ihren Häusern

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