4. September 2021
Marienthal

Schlaflos in Marienthal

Nachtarbeiten bei der Bahn. Familienvater verzweifelte

Dr. Jürgen K. an der Baustelle Fotos: Jenssen

MARIENTHAL Wenn man nachts nicht schlafen kann, liegen leicht die Nerven blank. So ging es Dr. Jürgen K. (45) aus der Ziesenißstraße in Marienthal. Er arbeitet im Home-Office. Der nächtliche Lärm der Bauarbeiten an der Bahnstrecke für die neue S4 brachte ihn zur Verzweiflung.

Vier Nächte hatte der Mitarbeiter einer Internetfirma kaum geschlafen. Der Familienvater, der sich zusammen mit seiner Frau Victoria um zwei kleine Kinder kümmern muss, berichtet dem Wochenblatt: „Es war das Wochenende zwischen Freitag, dem 20 August bis Montag, 23. August. Immer gegen 18 Uhr ging der Lärm an der Bahnbaustelle richtig laut los. Ich konnte mich weder auf meine Arbeit konzentrieren noch konnte ich schlafen.“

Nach drei Tagen „schlaflos in Marienthal“ erinnerte er sich am Montag an einen Flyer, den die Bahn in der Nachbarschaft verteilt hatte. Darauf stand: „Unsere Baustelle kann schon mal zur Nervensäge werden.“

Auf dem Flyer war eine Telefonnummer angegeben, an die man sich wenden könne, wenn es zu laut werden sollte. Die Bahn versprach: „Wir prüfen Ihren Anspruch auf eine Übernachtung in einem Hotel!“ Doch als Dr. K. diese Nummer anrief, meldete sich niemand. Erst später erfuhr er, dass diese Nummer nur von 8.30 Uhr bis 17.00 besetzt ist.

Hilferuf in der Nacht

Der IT-Spezialist wurde nun richtig sauer. „Die Bahn müsste doch eine 24-Stunden-Hotlein für so eine wichtige Stelle geschaltet haben“, findet er. „Wenn ich eine akutes Problem habe, dann möchte ich doch auch akute Hilfe bekommen. Ich wollte doch nur schlafen!“

Wütend rief er mehrere Telefonnummern bei der Bahn an, erwischte aber nur eine Mitarbeiterin der Pressestelle, die gegen 22 Uhr noch das Telefon abnahm. Sie konnte ihm aber auch nur die Nummer der Service-Mitarbeiter geben, die um 17.00 Uhr nach Hause gegangen waren. Ärgerlich rief er bei der Polizei in Wandsbek an. Doch auch die Ordnungshüter konnten nicht helfen. „Die Bahn hat eine Ausnahmegenehmigung für Arbeiten in der Nacht“, hieß es dort.

Dr. K. machte sich zu Fuß auf zur Baustelle an den Bahngärten, wo die Maschinen ratterten. Ein Mitarbeiter stand auf der Straße, rauchte eine Zigarette. Ihn ließ die Beschwerde von Dr. K. kalt. Er verwies auf die Sondergenehmigung.

Am Tag darauf aber war der Spuk des Nachtlärms vorbei. Dr. K.: „Ob die Ruhe durch meinen Protest eingekehrt ist, weiß ich nicht. Aber auch Nachbarn waren mir für meinen Einsatz dankbar. Auch sie haben in diesen Nächten schlecht geschlafen.“

Der Flyer der Bahn

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