15. Juli 2021
Marienthal

Bitte an die Bahn: Versprechen halten!

Seniorinnen fordern Zugang zum Zentrum

Ingeborg Drews vor dem geschlossenen Bahnübergang an der Claudiusstraße

Ingeborg Drews vor dem geschlossenen Bahnübergang an der Claudiusstraße Foto: Jenssen

MARIENTHAL „Alt werden ist nichts für Feiglinge!“ Dieses Zitat von dem Schauspieler und Moderator Joachim „Blacky“ Fuchsberger (1927–2014) gerät derzeit in Marienthal nicht in Vergessenheit. Dafür sorgt die Deutsche Bahn durch den Bau der S4, deren Schienen durch den Stadtteil verlegt werden. Zu spüren bekommen das vor allem viele Seniorinnen, die in dem Wandsbeker Stadtteil wohnen.

Für ihre tägliche Versorgung müssen die älteren Damen lange Wege auf sich nehmen, denn die normalen Zugänge zu den Einkaufszentren und Geschäften am Wandsbeker Markt sind seit Februar gesperrt.
„Der Weg ins Zentrum von Wandsbek durch die Claudiusstraße oder den Schloßgarten dauerte für mich früher zehn Minuten. Durch den Umweg über die Hammer Straße muss ich jetzt 20 Minuten mehr einplanen“, sagt Ingeborg Drews (83), die seit über 50 Jahren in Marienthal wohnt.

Für den Bau der neuen S-Bahn und die Erweiterung des Güterverkehrs auf der Strecke zwischen Hamburg und Lübeck wurden die Schranken an den Bahnübergängen „Claudiusstraße“ und „Schloßgarten“ dauerhaft geschlossen. Ingeborg Drews spricht nicht nur für sich. In ihrer Nachbarschaft wohnen mehrere ältere Damen, die sich über die großen Umwege, die sie für ihre Einkäufe auf sich nehmen müssen, beklagen. Ingeborg Drews „Nicht alle Seniorinnen sind noch so rüstig wie ich.

Vor allem der Rückweg, wenn sie zusätzlich ihre Einkäufe schleppen müssen, macht vielen meiner Freundinnen und Bekannten zu schaffen.“
Einige ältere Damen, die keine Hilfe haben, schließen sich zusammen und ordern ein Taxi. Ingeborg Drews: „Jedoch haben nicht alle so viel Geld, dass sie sich ein Taxi leisten können. Außerdem steigen viele Menschen in Zeiten der Pandemie ungern in ein Taxi oder in einen Bus.“ Während einer Nachfrage bei der Bahn, wie lange die Sperrung noch dauern soll, wurde Ingeborg Drews geantwortet. „Noch etwa drei Jahre. Sie werden sich daran gewöhnen müssen.“ Darüber ärgerte sich die Marienthalerin sehr.

Ingeborg Drews: „Ich frage mich, ob die Bahn berechtigt ist, unsere Bewegungsfreiheit derart einzuschränken?“
Noch im Februar, nach Schließung der Bahnübergänge, hieß es in einer Pressemitteilung der Bahn: „Die Bahnübergänge werden für den Pkw-Verkehr dauerhaft geschlossen. Die Autofahrer müssen die Bahnschienen durch den Hammer Trog oder über die „Robert-Schuman-Brücke“ passieren. Für Fußgänger und Radfahrer sollen (Baubeginn vermutlich Ende 2021) Unterführungen gebaut werden.“

Auch interessant