9. April 2021
Tonndorf

Auf dem Friedhof entsteht ein Neubau

Eine Halle und ein Lagerplatz sind geplant

Auf dem ehemaligen Friedhofsgelände stand lange eine Kartoffelhalle. Jetzt herrscht dort Baubetrieb Fotos: Jenssen

TONNDORF/WANDSBEK Ein kleiner, durch Backsteinmauern eingezäunter Grünstreifen mit 44 Grabsteinen, das ist alles, was übrig blieb von dem jüdischen Friedhof in Tonndorf an der Jenfelder Straße 38. Ein kleiner Ruheort mitten in einem lauten Industriegebiet. Der Platz steht unter Denkmalschutz.

Einst war der Friedhof viel größer. Doch die Nationalsozialisten errichteten dort während des Zweiten Weltkrieges eine Kartoffelhalle. Unter der Halle sollten sich noch Gräber befinden.
Doch nun ist die Kartoffelhalle weg. Sie wurde vor wenigen Wochen abgerissen. Die Firma Makita Engineering, Inhaber des Grundstücks, will auf dem Grundstück eine neue Lagerhalle errichten. Außerdem hat die Bahn dort Flächenbedarf, denn die Strecke für den Ausbau der S 4 und der Güterbahn führt an dem ehemaligen Friedhofsgelände vorbei. Die Bahn will dort einen Lagerplatz einrichten
Auf dem Friedhof wurden von 1887 bis 1942 Angehörige der jüdischen Gemeinde Wandsbek bestattet, nachdem der alte Friedhof an der Königsreihe belegt war. Der Tonndorfer Friedhof wurde mit mehreren Gebäuden, u. a. einer Leichenhalle und einer Wohnung für den Friedhofswärter ausgestattet.

Der kleine Friedhof mitten im Industriegebiet

Allerdings wurden zwischen 1887 und 1942 nur 143 Tote auf dem Friedhof bestattet. Während des Novemberpogroms (1938) wurde der Friedhof geschändet. Im Jahre 1943 musste die jüdische Gemeinde das gesamte Gelände, das Platz für etwa 1000 Grabstätten gehabt hätte, zwangsweise an den Staat verkaufen. Erst 1959 erhielt die jüdische Gemeinde Hamburgs den kleinen Teil des Friedhofs zurück.
Der restliche Teil wurde von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben im Jahre 2018 an die Werkzeugfabrik Makita verkauft. Auf Nachfrage des Wochenblatts erklärte der Bezirk Wandsbek, dass die Genehmigung für den Abbruch der Kartoffelhalle bereits im Jahre 2018 von der Bauprüfabteilung genehmigt wurde. Die jüdische Gemeinde wurde darüber informiert und in die Abrissarbeiten einbezogen. Um die Totenruhe nicht zu stören, sollen auf dem Teil des Areals, unter dem sich noch Gräber befinden können, Rasenflächen angelegt werden.

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