7. Oktober 2020
Rahlstedt

Zeitreisen mit Detlev von Liliencron

Rahlstedter Jahrbuch widmet dem Dichter mehrere Beiträge. Auch sonst viel Lokalgeschichte

Rahlstedter Jahrbuch

Seit 1999 erscheint jedes Jahr ein Heft mit interessanten Geschichten aus dem Stadtteil Foto:wb

RAHLSTEDT Die diesjährigen Kulturwochen hat der Rahlstedter Kulturverein wegen der Corona-Krise absagen müssen, das von ihm herausgegebene „Rahlstedter Jahrbuch für Geschichte & Kultur“ ist jetzt aber da. „Dank des Internets konnte das Redaktions-Team regelmäßig kommunizieren, persönliche Treffen wurden ausgesetzt“, so Werner Jansen, Leiter der Geschichtswerkstatt.

Das in Kooperation mit dem Wochenblatt Verlag publizierte Jahrbuch beginnt mit einem Bericht über die Skulptur „Der Flüsterer“ des Rahlstedter Künstlers Hanno Edelmann (1927–2013) – aufgestellt auf Initiative des Rahlstedter Kulturvereins in der Rahlstedter Bahnhofstraße.

Danach tritt gleich mehrfach einer der Wortmächtigsten auf, die je hier im Stadtteil gelebt haben: der Dichter Detlev von Liliencron (1844–1909), der seit 1901 in Alt-Rahlstedt zu Hause war.
Liliencron-Zitate findet sich in dem Aufsatz über den Ohlendorffturm, der von 1907 bis 1956 das Erscheinungsbild des einstigen stormanschen Dorfes prägte, gewidmet dem 1906 verstorbenen Gemeindevorstehers Gustav Hermann Ohlendorff: 15 Meter hoch, ein Monument und zugleich ein Aussichtsturm. In einer Art Zeitreise wird gezeigt, welches Panorama sich von der Plattform aus den Besuchern vor mehr als 100 Jahren bot.

Eine Hauptrolle spielt Liliencron dann in den Erinnerungen des 1937 in Rahlstedt geborenen Lyrikers und Verlegers Robert Wohlleben, der als Kind zum Haareschneiden in den Salon des „alten Barheine“ geschickt wurde, von dem es hieß, er habe schon Liliencron barbiert. Als Wohlleben als Student auf einen Brief aus dem Jahre 1901 stößt, in dem sich Liliencron bitter über einen Rahlstedter Friseur beklagt, kommt er ins Grübeln… In einem Postskriptum weist die Jahrbuch-Redaktion indes nach: Liliencrons Barbier-Kritik kann sich nicht gegen den Friseur gerichtet haben, der dem jungen Wohlleben die Haare schnitt. Denn der war im Jahre 1901 gerade mal 14.

Im Schlussteil des Heftes geht es voll und ganz um Liliencron, insbesondere die Netzwerke, die er knüpfte, per Telefon und Telegraf und in 40.000 Briefen und Postkarten, in denen er sich mit Schriftstellern und Kulturschaffenden austauschte, weit über Deutschland hinaus. Dazwischen: zwei Beiträge aus der Welt der Wirtschaft; einer blickt zurück auf das aus einem 1893 eröffneten Handwerkerbetrieb hervorgegangene und 2012 geschlossene Kaufhaus Möller, das eine Institution in Rahlstedt war; ein anderer auf die 100-jährige Geschichte der Tischlerei Schmekal in Meiendorf. Schließlich zwei Texte, die von einem unlängst im Naturschutzgebiet Höltigbaum entdeckten Vermessungspunkt aus dänischer Zeit handeln sowie von einer beschaulichen Wiesenlandschaft am Rande Neu-Rahlstedts, die heute kaum noch an das ehemalige „Ebersmoor“ erinnert, aus dem sie einst hervorging.

Das Jahrbuch wird kostenlos verteilt. Zu bekommen ist es in der Buchhandlung Heymann im Rahlstedt Center, in der Bücherhalle Rahlstedt, im Bürgerhaus in Meiendorf und beim Zeitschriftenhandel Shabani sowie in den Haspa-Filialen Rahlstedter Bahnhofstraße und Meiendorfer Straße. (wb)

Auch interessant