23. Juli 2022
Rahlstedt

Geschichte in der Fußgängerzone

Kulturverein lässt Findling neu beschriften

Kleine Geschichtsstunde im Rahlstedter Ortskern Foto: rg

RAHLSTEDT Die große Doppeleiche am Helmut-Steidl-Platz ist kaum zu übersehen. Dass sie dort schon seit 124 Jahren steht und warum, wissen allerdings längst nicht alle Rahlstedter. Eine Tafel und ein Findling mit neuer Gravur, umgeben von neu gepflanzten Blumen, verraten mehr.

Erinnert wird an das Jahr 1848. Rahlstedt gehörte damals zum Herzogtum Holstein. Und das wiederum war wie auch das Herzogtum Schleswig Teil des Königreiches Dänemark. In jenem Jahr probten die Schleswig-Holsteiner den Aufstand im Kampf um die Unabhängigkeit von den Dänen – allerdings erfolglos. Erst 1864 schied Schleswig-Holstein aus dem Königreich aus.

Zwei Jahre später wurde es preußisch – und damit auch Rahlstedt. Erst 1937 zur Zeit der NS-Diktatur wurde Rahlstedt ein Teil Hamburgs. „Der dänische König war eigentlich sehr einsichtig. Er ließ die Parzellen der Bauern neu ordnen, die danach in der Nähe ihrer Höfe waren“, sagt Werner Janssen von der Geschichtswerkstatt des Rahlstedter Kulturvereins. Aber eigentlich seien die Dänen hauptsächlich an den Steuereinnahmen interessiert gewesen, auch unter den Preußen habe sich die Lage der Bauern in Rahlstedt nicht wesentlich verbessert. Dies sei erst nach dem Krieg geschehen, danach verschwand die Landwirtschaft dann langsam aus dem Stadtteil.

„Wir sind froh, dass wir diesen Erinnerungsort im Ortskern haben. Findling und Tafel sind wichtig und interessant vor allem für jüngere Rahlstedter“, so Werner Jansen. Auf dem Findling ist nicht nur 1848 verewigt, sondern auch 1898 und 1923. Denn zum 50. Jahrestag des Aufstandes wurde die Doppeleiche auf dem Bahnhofsvorplatz gepflanzt, als Symbol der Einheit von Schleswig und Holstein. 25 Jahre später wurde in Rahlstedt mit einem großen Festumzug an den Unabhängigkeitskampf erinnert. Danach verblasste das Interesse an diesem Teil der Rahlstedter Geschichte.

Werner Jansen vom Rahlstedter Kulturverein Foto: rg

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