4. September 2021
Rahlstedt

Gegen das Vergessen der Opfer

Gedenkveranstaltung für den Meiendorfer Carl Ebet

Zeitzeugin Helga Roepert (sitzend), Astrid Hennies (4.v.r.), Karin Heddinga von der KZ-Gedenkstätte Neuengamme (3.v.r.), Diakon Franz P. Sauerteig (2.v.r.) Mitglieder der Kirchengemeinde Meiendorf-Oldenfelde und des Kirchengemeinderats sowie Schüler der Stadtteilschule Meiendorf mit ihrem Lehrer Martin Karl (2.v.l.) Foto: wb

RAHLSTEDT Auf Einladung der ev.-luth. Kirchengemeinde Meiendorf-Oldenfelde und der Bürgerschaftsabgeordneten Astrid Hennies (SPD) wurde am vergangenen Sonntag Carl Ebet gedacht. Der Meiendorfer war Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Als KPD-Anhänger war er zwischen 1934 und 1935 inhaftiert. 1943 wurde er ins Bewährungsbataillon 999 zwangsrekrutiert. Seit 1944 galt er als vermisst. Später wurde er für tot erklärt.
Trotz immer wieder einsetzenden Regens waren mehr als 60 Menschen zur Gedenkveranstaltung in die Ringstraße 213 gekommen. Hier – an der letzten bekannten Adresse Carl Ebets – liegt seit Anfang August ein Stolperstein zu seiner Erinnerung, gestiftet von der Kirchengemeinde Meiendorf-Oldenfelde.

Jüngere und ältere Teilnehmerinnen und Teilnehmer legten Rosen am Gedenkstein nieder.
„Mit dem Stolperstein für Carl Ebet wollen wir hier bei uns in Meiendorf einem der vielen Millionen Opfer des Nationalsozialismus einen Gedenkort geben und Verantwortung übernehmen. Die Erinnerung an die Grausamkeiten und die Opfer des Nationalsozialismus darf nicht verblassen. Denn Gleichgültigkeit und Vergessen können zu neuen Verbrechen führen“, so die SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Astrid Hennies, die die Verlegung des Stolpersteins als Patin unterstützt hat.

Dass im Stadtteil auch bei den Jüngeren die Zeit des Nationalsozialismus Thema ist, zeigten Schülerinnen und Schüler der Stadtteilschule Meiendorf in einem Vortrag am Gedenkstein: Gemeinsam mit ihrem Lehrer hatten sie im Kurs „Historisches Forschen in Meiendorf“ zur Lebensgeschichte von Carl Ebet und zum Nationalsozialismus in Meiendorf geforscht. Die Ergebnisse ihrer Recherchen sind bis zu den Herbstferien auch noch in einer Ausstellung in der Rogate-Kirche zu sehen.

Zeitzeugin berichtete

In einer Podiumsdiskussion in der Rogate-Kirche stand im Anschluss das Schicksal der Opfer der politischen Verfolgung im Mittelpunkt. Die Zeitzeugin Helga Roepert berichtete hier vom Leben ihres Vaters, der ebenfalls politisch verfolgt und später im Bewährungsbataillon 999 zwangsrekrutiert war. Er kam kurz vor Kriegsende ums Leben. Die Zuhörerinnen und Zuhörer folgten gebannt ihren fesselnden und bewegenden Worten. Die Kirche war coronakonform bis auf den letzten Platz besetzt.

„Wir freuen uns sehr, dass so viele Menschen unserer Einladung zur heutigen Gedenkveranstaltung gefolgt sind“, so Franz P. Sauerteig, Diakon der Kirchengemeinde Meiendorf-Oldenfelde. „Dies zeigt, dass die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus bei uns im Stadtteil auf ein großes Interesse trifft. Gerne wollen wir als Kirche dieser Erinnerung auch in Zukunft einen Raum geben.“

Die Kirchengemeinde Meiendorf-Oldenfelde stiftete den Stolperstein für Carl Ebet an der Ringstraße 213 Foto: wb

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