13. November 2021
Rahlstedt

Gedenken an den Widerstand

Die Geschichte von Heinrich Steinhagen

Foto: wb

RAHLSTEDT/WANDSBEK Bis Ende November wird im Kulturschloss Wandsbek die Wanderausstellung „Wandsbek erinnert an 1933–1945“ gezeigt. Exem­plarisch für die Betroffenen stellt das Wochenblatt das Schicksal des Künstlers Heinrich Steinhagen vor, der für sich und seine Künstlerkollegen das Rahl­stedter Schloss erbaute.

Heinrich Steinhagen, geboren 1880 auf der Ostseeinsel Poel bei Wismar, kam als junger Mann nach Hamburg, wo Kunsthallendirektor Alfred Lichtwark ihn unterstützte.

Nach dem Ersten Weltkrieg, in dem er 1917 schwer verwundet wurde, verkaufte der Maler alle seine bisher gemalten Werke und ließ sich in Rahlstedt nieder. Von dem Geld erwarb er ein 8000 Quadratmeter großes Grundstück am Wiesenredder. Auf dem Grundstück errichtete er sein „Gesamtkunstwerk“. Ein Künstlerhaus mit 24 Zimmern. Er konstruierte und baute das riesige Haus weitgehend eigenhändig. Durch Wandbilder, Plastiken, Holzbalken, bunte Fenster, und Teppiche bekam jeder Raum seine eigene Atmosphäre.

Damals eine Kultstätte

Das Bauwerk wurde als „Rahlstedter Schloss“ berühmt und zur Kultstätte. Besucher aus Nah und Fern kamen nach Rahlstedt. Steinhagen veranstaltete dort Konzerte, Dichterlesungen und Feste mit prominenten Künstlern. Dann die NS-Zeit: Die Werke des kommunistischen Künstlers wurden als „entartet“ verfemt. Am 27. Dezember 1937 stand das „Schloss“ in Flammen. Es brannte bis auf die Grundmauern nieder. Die Ursache für das Feuer wurde nie geklärt.

Steinhagen ließ sich nicht entmutigen. Er baute das Schloss neu auf. Aber die Freude daran konnte er nicht lange genießen. Wegen „Verächtlichmachung des Führers“ wurde er 1940 verhaftet. Der Künstler hatte nach dem Tod seines Sohnes Harald, der im Krieg gefallen war, das NS-Regime verflucht.
Er kam für vier Monate in das KZ Neuengamme. Es war eine entsetzliche Erfahrung, die er nicht verkraftete. Steinhagen zog sich aus der Öffentlichkeit zurück, arbeitete aber heimlich an neuen Bildern. Im Sommer 1944 sollte er erneut verhaftet werden. Er entkam den Nazis nur, weil ihn ein Freund auf dem Dachboden eines Hauses in Flensburg versteckte.

Heinrich Steinhagen starb am 19. Juli 1948 in seinem Künstlerhaus. Leider wurde das „Rahlstedter Schloss“ nicht restauriert, sondern im Jahre 1963 samt Kunstgegenständen von dem ehemaligen Bau- und Wohnungsunternehmen Neue Heimat abgerissen.
Eine ausführliche Geschichte über Heinrich Steinhagen ist in dem Buch „Widerstand in Wandsbek“ von Stefan Romey nachzulesen. Das Buch liegt in der Ausstellung aus.

Heinrich Steinhagen: Selbstporträt mit
Mütze, 1935, und links ein Farbholzschnitt des Künstlers „Erntepause“ aus dem Jahre 1920 Fotos: wb

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