30. April 2021
Rahlstedt

Zeremonie am Höltigbaum

Gedenken an Opfer der NS-Militärjustiz

Gedenken an die am Höltigbaum erschossenen Deserteure Foto: rg

RAHLSTEDT Auch in diesem Jahr musste die Veranstaltung vom „Haus der Wilden Weiden“ an die kleine Gedenkstätte direkt an der viel befahrenen Sieker Landstraße verlegt werden.

Auf dem nahen Schießplatz Höltigbaum waren mindestens 150 desertierte Wehrmachtssoldaten erschossen worden, die letzten noch kurz vor Kriegsende. Vor 40 Jahren habe eine handgeschriebene Tafel an die Opfer der NS-Militärjustiz erinnert, sagte Stefan Romey, Autor des gerade erschienenen Buches „Widerstand in Wandsbek 1933 – 1945“. Damals habe die Bundeswehr das Schild schnell abgehängt.

Seitdem habe sich die Traditionspflege der Truppe allerdings endlich geändert. Die Bundeswehr teilt die Einschätzung, dass die Wehrmacht dem NS-Unrechtsregime diente. Erst 2003 wurde die Tafel am heutigen Gedenkort angebracht, die kleine Anlage werde aber noch immer übersehen, so Romey. Dann wurden zwei neue Stolpersteine enthüllt.

Sie sind Willi Dittmann und Fritz Freitag gewidmet. Der Kieler Dittmann wurde 1939 eingezogen, hatte in Frankreich Kontakt zur Resistance und desertierte mit seiner ganzen Einheit. Willi Dittmann wurde verhaftet, zum Tode verurteilt und in Rahlstedt im Februar 1945 erschossen.

Fritz Freitag war unpolitisch, nach einer schweren Jugend geriet er immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt. 1944 fälschte er als Soldat einen Urlaubsschein, wurde daraufhin verhaftet. Er konnte während eines Gefangenentransportes in Hamburg fliehen und untertauchen. Schließlich wurde Freitag verhaftet, verurteilt und im März 1945 am Höltigbaum erschossen.

Der frühere Vorsitzende der Bezirksversammlung Wandsbek, Hans-Joachim Klier, erklärte, der jetzige Gedenkort friste ein Schattendasein. Geplant sei nun eine Umgestaltung. Umgestaltet werden soll auch das umstrittene Kriegerdenkmal in Bramfeld. Ein entsprechender Wettbewerb ist entschieden, das Geld soll demnächst bewilligt werden.

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