29. April 2020
Ausgabe Rahlstedt

Gedenkfeier findet trotz Corona statt

Kranzniederlegung für Opfer der NS-Militärjustiz

Rahlstedt  Eigentlich hatte das Bündnis Hamburger Deserteursdenkmal zu seiner jährlichen Veranstaltung im
Gedenken an die Opfer der NS-Militärjustiz ins Haus der Wilden Weiden eingeladen. Diese musste Corona-bedingt abgesagt werden. Statt-
dessen kam es zu einer kleinen Zeremonie im Freien an der Gedenktafel am Neuen Höltigbaum.

„Für uns herrscht Mundschutzpflicht!“, gaben die Organisatoren noch vor Beginn bekannt. Außerdem waren die Mindestabstände
auf dem Fußweg mit Kreide aufgemalt, die Veranstaltung war auf 25 Teilnehmer begrenzt.

Rund 40 Minuten dauerte die Veranstaltung mit kurzen Redebeiträgen, Blumen wurden niedergelegt.
NS-Kriegsgerichte sprachen wegen Fahnenflucht und Wehrkraftzersetzung insgesamt 30.000
Todesurteile gegen Soldaten und zivile Helfer. 70 Prozent wurden vollstreckt. In Hamburg wurden Deserteure
im Untersuchungsgefängnis Holstenglacis enthauptet oder ab 1940 am Standortschießplatz Höltigbaum erschossen.

Die Exekutionskommandos kamen aus den umliegenden Rahlstedter Kasernen. 150 Erschossene sind namentlich
bekannt, vermutlich waren es aber mehr als doppelt so viele. Die letzte Exekution fand noch am 28. April 1945 statt.

Erst nach dem Abzug der Bundeswehr in den 90er-Jahren habe es eine erste Gedenktafel gegeben, wurde in einem
Redebeitrag kritisiert. Auch heute gebe es noch Deserteure, vornehmlich unter den Geflüchteten.
Der Gedenkort am Neuen Höltigbaum entstand Ende 2003 und umfasst jetzt eine Tafel, einen Stolperstein
für den erschossenen Herbert Klein und eine kleine Grünanlage, um die sich der Rahl-
stedter Kulturverein kümmert. Der Gedenkort soll umgestaltet werden: Die Erklärtafel steht nämlich derzeit noch an der Straße.

Und erinnert an ein Bushaltestellenschild, wie ein Redner kritisierte. Das Bündnis möchte außerdem eine weitere
Straße in der Jenfelder Au nach einem Deserteur benennen.

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