15. Januar 2022
Langenhorn

Sanierung kann starten

Wulff‘sche Siedlung: Kritik an Bauarbeiten

Siedlung

Die Bauarbeiten in der Wulff’schen Siedlung sollen bald starten, stoßen aber nicht überall auf Gegenliebe Foto: Jenjahn

LANGENHORN Viele Gebäude der Wulff’schen Siedlung befinden sich in einem schlechten baulichen Zustand. Sie wurden vor mehr als 70 Jahren erbaut. Die GWG-Gruppe mit Sitz in Stuttgart ist eine der Miteigentümerinnen und wird durch Abriss und Neubau eine Nachverdichtung durchführen.

Das ist im Bebauungsplan „Langenhorn 73“ geregelt, der seit 2014 rechtskräftig ist. In Kürze sollen die Arbeiten beginnen. Im ersten Bauabschnitt werden die Gebäude der Straße Wulffsgrund 20-32 abgerissen. Durch die Nachverdichtung eines bisher als Parkplatz genutzten Grundstücks entsteht hier ein so genanntes Punkthaus mit zwölf Wohnungen. Außerdem werden zwei benachbarte Gebäuderiegel abgerissen und neubebaut.

„Insgesamt sollen 79 neue Wohnungen entstehen, 15 davon gefördert. Da der Bestand in diesem Abschnitt bisher nur 54 Wohnungen bietet, wird mit der Neubebauung zusätzlicher, dringend benötigter Wohnraum inklusive geförderter Einheiten geschaffen“, teilt die GWG mit. Der Bauantrag für den ersten Realisierungsabschnitt wurde Ende Oktober 2021 eingereicht.

Auf Wochenblatt-Nachfrage teilt das Unternehmen mit, dass es das primäre Ziel ist, „Härtefälle oder Kündigungen vollständig zu vermeiden und die geplanten Maßnahmen sozialverträglich zu gestalten. Selbstverständlich beachten wir hierbei den bestehenden Mieterschutz.“

Wie genau das aussehen soll, wird nicht verraten. Auf die Frage, was passiert, wenn ein Mieter nicht ausziehen möchte oder ob dieser später wieder eine Wohnung an der alten Adresse beziehen kann, antwortet die GWG: „Mit den vom ersten Bauabschnitt betroffenen Mieterinnen und Mietern werden außerdem seit Kurzem persönliche Gespräche geführt, um Optionen aufzuzeigen und eine passende Wohnlösung für den Übergang oder für die Zukunft zu finden.“

Martina Schenkewitz, ehemalige Sprecherin des Mieterbeirats der Wulff’schen Siedlung und Sprecherin der SPD im Regionalausschuss, sieht das Ganze kritisch: „Sollte die behördliche Genehmigung vorliegen, erwarte ich von der GWG Stuttgart, dass diese im Handling genauso mit den Mietern der betroffenen Blöcke umgeht, wie es die Verantwortlichen der GWG Gruppe seinerzeit zugesagt haben.“

Eine Umsetzung der Sanierung wurde an Bedingungen geknüpft: Hier sollte der Mietpreis identisch auch für die temporären Ersatzwohnungen sein, ein Ausgleich für getätigte Investitionen in den Wohnungen nach Zeitwert gezahlt werden und eine Rückkehrmöglichkeit in die Siedlung nach Fertigstellung mit bezahlbarer Miete garantiert werden, die dem Restbestand in der Siedlung im Mietpreis pro Quadratmeter gleichkommt. Auch der Vorrang für langjährige Mieter bei der Vergabe von geförderten Wohnungen und die Gewährleistung einer Umzugshilfe sind ein Thema, das Schenkewitz in den Regionalausschuss bringen will.

Zusatz
Martina Schenkewitz kritisiert die Vorgehensweise der GWG Foto: privat

Auch interessant