10. Juli 2021
Langenhorn

Ist der Baustellenverkehr schuld?

Seniorin fürchtet Schäden am Eigenheim und will einen Anwalt einschalten

Mit Besorgnis beobachtet Gudrun Schuch-Nehrke die Risse im Mauerwerk ihres Eigenheimes Foto: Blume

LANGENHORN Jedes Mal, wenn Gudrun Schuch-Nehrke einen Lastwagen heranrollen hört, ist sie alarmiert. Besorgt blickt sie in der Küche, im Wohnzimmer oder im Abstellraum an die Wand. Dort zeichnen sich deutlich Risse im Mauerwerk ab. „Die sind durch den Baustellenverkehr wegen des Abrisses des Saga-Hochhauses an der Fibigerstraße entstanden“, ist sich die Langenhornerin sicher.

Seit 33 Jahren wohnt sie an der Weygandtstraße, durch die seit Wochen große Baumaschinen und schwer mit Schutt beladene Lkw fahren. „Mein Endreihenhaus liegt nur vier Meter von der Straße entfernt, und ich habe große Angst, dass sich durch weitere Erschütterungen die Pressschiene zwischen der Giebelwand und dem 1985 erstellten Anbau löst. Dann könnte ungehindert Regenwasser eindringen, und beim nächsten Gewitter steht alles unter Wasser“, befürchtet die 83-Jährige. Vor den Bauarbeiten gab es die Mauerrisse in ihrem Eigenheim nicht, da ist sich die Seniorin sicher, und als Setzrisse kommen sie nach 36 Jahren nicht infrage.

Per Mail kontaktierte sie den potenziellen Verursacher, das Wohnungsbauunternehmen Saga, bat um Begutachtung durch einen Sachverständigen. Doch dafür sieht Björn Grisse von der Saga keinen Anlass. „Uns liegen keine Beschwerden oder Hinweise zu Rissen in Wohnungen unserer Mietparteien vor“, schrieb er, lehnt Gutachter und Schadenersatzansprüche ab.

Gudrun Schuch-Nehrke schaltete auch das Bezirks­amt Hamburg-Nord ein. „2013 wurde die Weygandtstraße für 93000 Euro saniert und bereits 2015/16 durch Saga-Baustellenverkehr schwer beschädigt. Die Risse im Asphalt sind noch immer deutlich zu sehen“, weiß die Anwohnerin. „Unverständlich, warum auch nun der gesamte Schwerlastverkehr, darunter Hydraulikbagger mit 105 Tonnen Gewicht, durch meine Straße rollt, zudem oft entgegen der Einbahnstraßenregelung.“ Doch auch das Bezirksamt wiegelt ab. „Die Nutzung der Straße durch Baustellenverkehre ist zulässig. Die Missachtung der StVO wäre durch die Polizei zu ahnden. Wir sehen keine Veranlassung tätig zu werden“, lautet die Mail aus dem Fachbereich Tiefbau.

„Von so viel Arroganz und Bagatellisierung bin ich maßlos enttäuscht. Niemand fühlt sich verantwortlich“, sagt die Hausbesitzerin und überlegt, nun einen Sachverständigen zu beauftragen und einen Anwalt einzuschalten.

Gudrun Schuch-Nehrke Foto: Blume

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