8. April 2020
Langenhorn

Eigene Stoffmasken erobern die Straßen

Gesichtsschutz gegen das Coronavirus

Nähmaschine

Petra Sellenschlo ist praktische Ärztin im Ruhestand und näht in ihrem Zuhause bundesweit für Arztpraxen, Sozialstationen und Pflegeeinrichtungen Mund-Nasen-Masken Foto: Sellenschlo

LANGENHORN Während in Corona-Zeiten deutschlandweit eine „Maskenpflicht“ diskutiert wird, laufen überall im Land private Nähmaschinen heiß. In Langenhorn sitzt Sabine Blechschmidt bereits um 4.30 Uhr in ihrer Nähecke.

„Gegen Mittag werden 100 Stoffmasken für einen Pflegedienst abgeholt, deshalb habe ich eine Frühschicht eingelegt“, sagt die 63-Jährige. Seit drei Wochen produziert sie farbenfrohen Mund- und Nasen-Schutz aus einfarbiger und gemusterter Bettwäsche und anderen kochfesten Stoffen. „Drei Kilometer Nähgarn habe ich bereits verbraucht, und eine Maschine hat leider bereits den Geist aufgegeben.“ Nach eigenem Schnittmuster, mit Vlieseinlage und Pfeifenreiniger als Nasenschutz werden täglich etwa 50 Masken Marke Eigenbau fertig. Sie gehen unentgeltlich an Arztpraxen, Pflegedienste und Seniorenheime in Langenhorn und Umgebung, zumeist auf deren ausdrücklichen Wunsch, denn der Markt für professionelles Schutzequipment ist leer gefegt.

7000 Mitglieder

„Die Stoffvarianten schützen zwar nur bedingt vor einer Ansteckung, aber sie verringern die Verteilung infektiöser Keime in der Luft – daher macht es Sinn, wenn jeder, der etwa in einem Supermarkt unterwegs ist, eine Mund-Nasen-Maske tragen würde“, sagt Petra Sellenschlo. Als praktische Ärztin im Ruhestand weiß die 69-Jährige, wovon sie spricht. Sie engagiert sich mit mehr als 7000 Mitgliedern in der Facebook-Gruppe „Behelfsmasken nähen ehrenamtlich“, die Nähanleitungen veröffentlicht und bundesweit Anfragen koordiniert.

Rund 20 doppellagige Stoffmasken unterschiedlicher Arten produziert Petra Sellenschlo pro Tag und hat bereits mehrere Hundert an Arztpraxen, Sozialstationen und Krankenhäuser in ganz Deutschland verschickt. „Als Medizinerin würde ich zwar lieber in erster Reihe helfen, aber da ich zur Risikogruppe zähle, war klar, dass ich anderweitig unterstützend tätig sein werde – nun also an der Nähmaschine.“ Anfangs war es mühsam, jetzt geht ihr alles leicht von der Hand. Nachdem alle Fertigbänder verbraucht und kein Nachschub in Sicht war, fertigt sie sogar das Schrägband selber. „Das ist ein wahnsinniges Getüdel, aber es lohnt sich.“

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