9. April 2022
Alsterdorf

Amsel & Co. flüchten in die Stadt

Naturnaher Garten schafft Lebensraum. „Tag der offenen Gartenpforte“

Werner Völler (links) und Michael Kasch betreuen gemeinsam mit weiteren Ehrenamtlichen den Naturgarten an der Bebelallee Foto: Busse

ALSTERDORF Auf Schritt und Tritt gibt es hier immer Neues zu entdecken: Die Rasenfläche ist ein Magerrasen und wird durch Trockenmauer, Wildkräuter-Acker, Teich und Knick ergänzt. Totholz- und Steinhaufen bieten Verstecke für Tiere und die alten Apfelbäume sind nicht nur zur Blütezeit eine beliebte Anlaufstelle für Insekten.

Schon im zeitigen Frühjahr kann man hier Schmetterlinge wie den Zitronenfalter, das Tagpfauenauge und den ebenfalls braun-orange gemusterten C-Falter beobachten. Der rund 1500 Quadratmeter große Schrebergarten, der von der Nabu-Gruppe Bramfeld/Ohlsdorf/Barmbek seit fast 30 Jahren in ehrenamtlicher Arbeit als Naturgarten gepflegt wird, bietet jede Menge Anregungen für alle, die ihren Garten oder Balkon naturnah gestalten wollen. „Es wird immer wichtiger, dass Gärten in der Stadt Lebensräume für Tiere bieten“, sagt Michael Kasch beim Rundgang über die Parzelle.

Denn aufgrund der intensiven Landwirtschaft würden immer mehr Tiere in die Stadt flüchten, erläutert er. Ein Beispiel ist die Amsel – ursprünglich eine reine Waldbewohnerin, ist sie heute vor allem in bebauter Umgebung zu finden. Nistkästen stellen für verschiedene Vogelarten, aber auch für Fledermäuse und Insekten eine Brutmöglichkeit dar. Im Insektenhotel finden Wildbienen ebenso Höhlen zur Eiablage wie im neu angelegten Sandarium: eine unscheinbar wirkende Sandfläche, die für viele Insekten aber überlebenswichtig ist.

„Rund 60 Prozent der Wildbienen brüten in der Erde“, weiß Kasch zu berichten. Sonnig und unberührt müsse dieser Platz sein, damit die Bienen sich hier wohlfühlen. Die großen Hummelköniginnen hingegen suchen derzeit gern nach Mauselöchern, um darin ihr neues Volk anzulegen.

Mit Frühblühern wie Schlüsselblumen und Alpenveilchen ist auch jetzt schon für die nötige Nahrung gesorgt. Später werden unter anderem Glockenblume, Fingerhut und Nelke für Nektar sorgen.

Der Teich nebenan ist eine beliebte Kinderstube für Amphibien und Libellen. „Die Vielzahl der Tierarten hier zeigt, dass man sogar mitten in der Stadt, umgeben von Verkehr, Lebensräume schaffen kann“, regt Michael Kasch dazu an, Möglichkeiten zur naturnahen Gestaltung zu nutzen.

Der „Tag der offenen Gartenpforte“ im Nabu-Naturgarten bietet dazu gleich eine große Auswahl an selbstgezogenen Pflanzen an, die auch im Balkonkasten oder Blumenkübel gedeihen. Der Garten (Parzelle 185) in der Kleingartenanlage an der Bebelallee, Ecke Deelböge, befindet sich drei Gehminuten entfernt vom U-Bahnhof Lattenkamp.

So., 10. April, 11 – 17 Uhr Bebelallee, Eintritt frei

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