27. März 2021
Tonndorf

Ein neuer Ort zum Trauern

Corona-Gedenkstätte auf dem Tonndorfer Friedhof eingerichtet

Gärtnermeister Thomas Sprenger, Gemeindesekretärin Ute Mehldau, Friedhofsleiterin Birgit Kattner und Pastorin Miriam Polnau (v.l.) Foto: Sebastian Geiß-Polnau

Tonndorf Auf dem Friedhof Tonndorf wird jetzt mit einer Gedenkstätte der Corona-Toten erinnert. Schon nach einer Woche stehen über zwanzig Namen daran.
„Nun ist meine Mutter so alt geworden und musste an so einer neumodischen Krankheit sterben“, sagte der grauhaarige Mann, der kam, um ein Grab auszusuchen.

Über Corona wird viel geschrieben und diskutiert, in der Friedhofsverwaltung ist es jedoch eine Realität, die direkt im Alltag ankommt.
Als Mitarbeiterin der Kirchengemeinde in der Friedhofsverwaltung Tonndorf bekommt Ute Mehldau viel mit. Wenn sie gefragt wird, ob sie jemanden kenne, der Corona hatte, sagt sie:
„Ja, … aber nur Tote.“ In den letzten Monaten kam es zu Ausnahmezuständen auf den Friedhöfen oder auch bei Bestattungsinstituten. „Wann ist das nur endlich mal vorbei?“ fragte eine Bestatterin,
die die Situation, so wie sie war, manchmal kaum zu ertragen fand.
Zu viele Tote in zu kurzer Zeit. Und: Hinter jeder Zahl steckt ein Einzelschicksal und auf dem Friedhof hat man mit vielen Einzelschicksalen zu tun.

Die gesellschaftliche Aufgabe für die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Tonndorf als Trägerin des Friedhöfe Tonndorf, Hinschenfelde und des Alten Friedhof Wandsbek ist, den Friedhof als Ort würdevoll zu gestalten,
so dass man dort verstorbene Angehörigen beerdigen kann, aber auch immer ein Stück Trauer lassen kann.

Unsere Friedhöfe sollen ein Anlaufpunkt sein, um zu weinen und auch um Verbundenheit in der Trauer zu spüren. Es ist, so bekommt Ute Mehldau auch erzählt, schwer, wenn man
einen Angehörigen in einer Pandemie verliert. „Mein Vater war zwar alt und im Heim. Er war etwas dement, aber er war immer fröhlich und ohne diese Krankheit hätte er bestimmt noch einige Jahre gehabt.

Ich verstehe es einfach nicht, warum er nun daran sterben musste“, sagte eine Angehörige.
Der Tod durch Corona wirft nochmal andere Fragen auf und die Hinterbliebenen bleiben auch verunsichert zurück. In aller Trauer und Verunsicherung ist es darum dem Team auf dem
Friedhof und dem Kirchengemeinderat wichtig geworden, einen gemeinsamen Ort zum Trauern zu gestalten – hier in Tonndorf.
Deshalb wurde auf dem Friedhof Tonndorf, Ahrensburger Straße 188, am nördlichen Seiteneingang der Kapelle eine Corona-Gedenkstätte eingerichtet. Hier kann man den Namen der
Verstorbenen an eine Scheibe schreiben, eine Kerze und eine Karte mitnehmen.

So bleiben wir auch in Erinnerung an die anderen Toten der Pandemie hier vor Ort verbunden.
Am Tag, an dem die nationale Gedenkfeier von Bundespräsident Steinmeier geplant ist, also am Sonntag, dem 18. April, soll um 15 Uhr – wenn es nach der dann geltenden Verordnung
möglich ist – eine Andacht gefeiert werden zum Gedenken an die Toten der Pandemie. Damit wird die Gedenkstätte dann offiziell „eingeweiht“.
Die Gedenkstätte ist aber schon jetzt errichtet und kann tagsüber von 8 bis 20 Uhr besucht werden. (wb)

Aktuelle Hinweise in den Schaukästen und auf
www.kirche-tonndorf.de

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