10. September 2022
Jenfeld

Wanderausstellung im Malhaus

Erinnerung an NS-Opfer im Bezirk Wandsbek

Der Autor Stefan Romey im Malhaus Foto: rg

JENFELD Elf Schautafeln hängen im Malhaus in der Kelloggstraße. Mit Texten und Fotos informieren sie über Gedenkstätten in Wandsbek, die an die Verbrechen während der NS-Zeit erinnern. Und es werden die persönlichen Schicksale der Opfer des Nationalsozialismus
beleuchtet.

Die Wanderausstellung ist Produkt der Zusammenarbeit der Bezirksversammlung Wandsbek mit dem Autoren Stefan Romey, der sich mit dem Thema seit vielen Jahren beschäftigt. Dabei gibt es zahlreiche Bezüge zu Jenfeld. Da ist etwa die Jenfelder Au, vormals Lettow-Vorbeck-Kaserne. Sie wurde 1934 im Rahmen der Aufrüstung der Wehrmacht vom NS-Regime im dörflichen Areal erbaut.

„Das ist ein erheblicher historischer Bezug“, erläuterte Stefan Romey bei der Eröffnung der Ausstellung. Unter den Gedenkorten ist auch der Höltigbaum in Rahlstedt, wo mehr als 300 Deserteure bis kurz vor Kriegsende erschossen wurden.

Nach Kurt Oldenburg und Ludwig Baumann, ebenfalls von der NS-Militärjustiz verurteilten Deserteuren, wurden in der Jenfelder Au eine Straße und ein Park benannt. Die Dellestraße im Stadtteil erinnert an den früheren Zweiten Bürgermeister der freien Stadt Wandsbek. Der Sozialdemokrat Gustav Delle wurde nach 1933 von den Nazis drangsaliert und nach dem Hitler-Attentat 1944 verhaftet. Er kam ins KZ Neuengamme. In Folge medizinischer Experimente starb Delle kurz vor Kriegsende in Bad Oldesloe.

An ihn erinnert eine Tafel am Stormarnhaus, dem heutigen Bezirksamt Wandsbek. Auch das Versorgungsheim Farmsen, die KZ-Außenstelle Draegerwerk und der alte jüdische Friedhof in der Kattunbleiche in Wandsbek werden vorgestellt, die anderen Orte reichen von Duvenstedt bis Volksdorf. „Man kann eigentlich nicht alle Orte an einem Tag besuchen. Und viele Gedenkstätten liegen sehr versteckt“, so Romey. Die Ausstellung und ein demnächst wieder aufgelegter gedruckter Wegweiser sollen dabei helfen. Außerdem ist geplant, im ganzen Bezirk mit Stelen auf die Gedenkorte hinzuweisen, per QR-Code gibt es weiterführende Informationen.

Wanderausstellung „Wandsbek erinnert an 1933–1945“ noch bis 29. September im Malhaus in der Kelloggstraße 38, geöffnet von Montag bis Donnerstag von 10 bis 14 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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