30. Juli 2022
Jenfeld

Helga Johst malt für den Frieden

Die goldenen Türme von Kiew Jenfelderin bannt die Schrecken des Ukraine-Krieges mit Farbe auf Leinwand

Die Künstlerin Helga Johst hat die Szenen des Krieges in der Ukraine in einem Bild verarbeitet Foto: kg

JENFELD Die Künstlerin Helga Johst (88) ist selber als Kind in der Nachkriegszeit aufgewachsen und war, wie viele andere auch, natürlich tief beunruhigt, als der Krieg in der Ukraine begann. Sie suchte deshalb in ihrem Atelier in der eigenen Wohnung in Jenfeld nach einer freien Leinwand und begann ihre Gedanken in Farben auszudrücken. „Ich dachte sofort an das Grauen für die vielen Menschen und an die wunderschönen goldenen Türme von Kiew“, so die Malerin.

Das habe sie angetrieben diese Dächer zu malen, „bevor sie wohlmöglich auch noch alle zerstört werden würden“. Doch das frische gemalte Bild war damit noch nicht beendet. Immer wieder kamen neue Schreckensmeldungen aus dem Kriegsgebiet, die Helga Johst nach und nach in ihr Bild integrierte und damit wieder einmal zu einer Zeitzeugin wurde. In den Nachrichten sah sie die Angriffe auf Fabriken und eingeschlossene Menschen in Kellergewölben und das entstehende Bild wurde so immer wieder durch neue Szenarien ergänzt. „Ich folge keiner Linie, meine Bilder entstehen immer aus dem Leben heraus“, betont die Künstlerin, die in ihrer Jugend zunächst Tänzerin wurde, dann aber dem Wunsch des Vaters folgte und Grafikdesign studierte.

„Gemalt habe ich aber ein Leben lang und damit meine Eindrücke von Reisen und den Erlebnissen mit Menschen zum Ausdruck gebracht. Die gesamten Arbeiten von Helga Johst sind beeindruckend und wer sich einmal in ihrer Wohnung umsehen darf, der entdeckt neben wunderbaren Gemälden aus Irland, Asien und der Karibik auch jede Menge skurriler Werke, wie die von Bussen plattgefahrenen Cola-Dosen, die erst verrostet und dann von der Künstlerin mit verschiedenen Motiven bemalt wurden.
Vom Elternhaus geprägt

„Die wurden früher einfach aus den Fenstern auf die Straße geworfen“, erinnert die Künstlerin. Geprägt wurde Helga bereits als Kind im Elternhaus in Sachen Kunst von ihrem Vater, dem Karikaturisten Bruno Hanich, der es selbst im Dritten Reich schaffte, seine politische Unabhängigkeit zu bewahren.

Inzwischen kann Helga Johst selber auf eine ganze Reihe von internationalen Ausstellungen zurückblicken und ist auch heute noch „ständig am Malen und interessiert an allem, was ihr so im Alltag begegnet“. Ob es internationale politische Entwicklungen, die Atmosphäre eines Ortes, das Gespräch mit einem Nachbarn oder der Umzug ihres Enkels in die erste eigene Wohnung ist – Helga Johst erzählt von allem mit einer unendlichen Leidenschaft und genauso malt sie auch. Die Türme von Kiew sind ihr neustes Werk und falls sich ein schöner Ort findet, würde sie sogar noch einmal eine Ausstellung organisieren. „Ich fange immer ganz viel an und arbeite an mehreren Dingen gleichzeitig“, erklärt die sympathische Künstlerin in aus Jenfeld, die dem Krieg in der Ukraine ein Gesicht gegeben hat und die in diesen Tagen „einfach nur für den Frieden malt.“

Plattgefahrene Cola-Dosen haben sie schon vor Jahren inspiriert. Foto: Grell

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