23. Juli 2022
Hohenhorst

Keine Spur von der Skulptur

Pferdebändiger bleibt verschwunden. Stadtteilbeirat: So kann es nicht bleiben!

Nur die Füße des Pferdebändigers blieben stehen Fotos: Jenssen/ Meyer

HOHENHORST Es war ein dreister Diebstahl. Am
ersten Oktober-Wochenende des vergangenen Jahres klauten bislang unbekannte Täter im Hohenhorstpark eine halbe Statue. Von der Skulptur „Der Pferdebändiger“, die ein schreckhaftes Pferd und einen Pferdewirt zeigt, der versucht, das Tier zu bändigen, wurde der bronzene Mann an den Füßen einfach abgesägt.

So ist von der weithin sichtbaren Statue an der Schöneberger Straße nur noch das Pferd zu sehen. Die Skulptur wurde 1963 von dem Künstler Karl-Heinz Engelin (1924 – 1986) geschaffen. Von Engelin, der 1959 ein Atelier am Hansaplatz eröffnete, sind in Hamburg rund 40 Werke im öffentlichen Raum zu sehen. Besonders eindrucksvoll seine Plastiken mit Pferden. Er selbst hatte als junger Mann in Ostholstein als Pferdeknecht gearbeitet. Von den Tätern fehlt bislang jede Spur. Es ging ihnen nur um den Materialwert der Bronzefigur, die vermutlich ins Ausland geschafft wurde.

Wie kommen dreiste Täter nur auf die Idee, so schändliche Kunstdiebstähle im öffentlichen Raum zu begehen?
Bei hohem Aufwand und großer Gefahr, erwischt zu werden, ist der materielle Gewinn gering. Bei einem Gewicht von etwa 85 Kilogramm wird der Materialwert des Pferdebändigers auf 400 bis 500 Euro geschätzt. Der angerichtete ideelle Schaden an der Figur ist dagegen nicht zu beziffern.

Von Seiten des Bezirksamts sind im Moment keine Maßnahmen zur Sanierung oder Wiederherstellung des „Pferdebändigers“ geplant. „Für eine fachgerechte Wiederherstellung des Denkmals fehlen derzeit die Haushaltsmittel“, heißt es in einer Stellungnahme. Das halbe Denkmal soll aber auch nicht abgebaut werden. Die Planung und Arbeiten zur Betreuung der Maßnahme müssten in das Arbeitsprogramm „Planung und Bau Stadtgrün“ aufgenommen werden.

Für den Stadtteilbeirat Hohenhorst jedoch soll die halbe Bronzeplastik als Mahnmal im Park so nicht stehenbleiben. Jörg Meyer, Mitglied des Beirates: „So kann es auf keinen Fall bleiben. Wir suchen nach Wegen, die Statue zu sanieren. Deshalb haben wir Kontakt zu den Nachfahren des Künstlers aufgenommen. Vielleicht kann die Figur nachgegossen werden. Möglich wäre es vielleicht auch, eine andere Darstellungsform zu finden.“

Aus den Wandsbeker Grünanlagen wurden außer dem „Pferdebändiger“ in den vergangenen zehn Jahren keine Statuen gestohlen. Die letzte entwendete Bronze war 2010 das „Junge Weib“ des Bildhauers Otto Stichling, die im Eichtalpark stand. Die Statue wurde ersetzt durch „Die Schöne“ von dem Bildhauer Hanno Edelmann.
Ermöglicht wurde die Aufstellung der neuen Plastik durch die Spenden von zwei Wandsbeker Familien.

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