16. April 2022
Rothenburgsort

Ein Start in eine glorreiche Zukunft?

Nachdenkliches „Anrudern“ der RV Bille

Dass hier alle anpacken, wenn die schnittigen Boote aus dem Wasser geholt werden, ist keine Frage Foto: Timm

ROTHENBURGSORT Gut und gern 20 Ruderboote verschiedenster Vereine machten vergangenen Samstag bei der Rudervereinigung Bille von 1896 Station. Das traditionelle „Anrudern“ findet jedes Jahr bei einem anderen Verein statt.

Sie kennen sich aus mit den Schleusen – Brandshof, Tiefstack, wissen die Wege auf Hamburger Wassern. Im Ruderverein Bille an der Grünen Brücke warten die Aktiven auf Wassersportler aus den anderen Vereinen: Der Beginn und das Ende der Saison werden jedes Mal bei woanders gefeiert – Suppe, Kuchen, Kaffee, Kümmel sind vorbereitet. Und irgendwann biegen sie dann um die Ecke und landen an. Eine Graugansfamilie mit ihren Jungen, die vom Gras auf dem Gelände fraß, ist schon davongeschwommen.

Ältere und Jüngere, Frauen und Männer krabbeln aus den Booten, sie kommen aus Wandsbek, Wilhelmsburg und anderen Orten, sind wasser- und kältefest eingepackt, manch einer schält sich aus mehreren Schichten.
An die 20 Boote werden es am Ende sein, die von Aktiven aus dem Wasser gehoben und mit vereinten Kräften an Land getragen werden. Ruderblätter im Dutzend liegen am Rand, ob man später noch die eigenen wiederfinden werde, fragt sich eine Frau.

Aber erst mal gibt es Suppe aus der Plastikschüssel, Kuchen, Kaffee und Schnittchen, die Rudervereinigung (RV) Bille hat ihren 125. Geburtstag gefeiert, eine Festschrift liegt aus.
Und nicht nur das: An der Wand hängt eine kleine Ausstellung: Entwürfe, Fotos, Texte, Materialien. „Klubkulturen an der Bille“ heißt sie und stammt von Architektur- und Städtebaustudenten aus dem fünften Semester der Hafencity-Universität.

Der Anlass ist durchaus ernsthafter Natur: Die Billeinsel soll, unter anderem, mit einem Edel-Gewerbegebiet aufgewertet werden (das Hamburger Wochenblatt berichtete). Die RV-Bille-Sportler fürchten, nicht hier bleiben zu können. Das Gelände gehört der Staat und ist, wie RV-Chef Andreas Görtz erklärt, mit einem „Sportrahmenvertrag“ dem Verein überlassen worden.
Die Studenten, berichten RV-Mitglied Nicola Brandes und Görtz gemeinsam, haben sich in der Gegend gründlich umgesehen: Was gibt es schon, wie werden die einzelnen Orte genutzt? Was ist echt, was erhaltungswürdig?

Der Unterschied zu herkömmlichen Wettbewerbsplanungen, so ist Görtz’ Worten zu entnehmen, ist klar: Die Studenten haben sich angesehen, was die Vereine tun, wie sie arbeiten und ihre Gelände nutzen.

Görtz erinnert daran, dass die RV Bille viele Kontakte im Stadtteil hat, inklusiv arbeitet, dass Betriebssportgruppen hier sind, ein Kanuverein, seit 1976 und nur auf Zuruf: „Das ist, was Vereinskultur ausmacht“, sagt der Vorsitzende. Neue Entwicklungen im Vergleich zum vergangenen Jahr gibt es nicht, so Görtz.

Hier jedenfalls ist Leben. Ein Kleinkind quengelt und wird von den Eltern nebenan versorgt. Manche trinken gemütlich ein Bier, die erste Kaffeekanne ist schon leer. Die Ruderer sind hier zuhause, und das ist gut so.

Insgesamt 20 Boote verschiedener Vereine waren beim „Anrudern“ dabei Foto: Timm

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