6. August 2022
Horn

Zurück zum „Rattentunnel“

Unterführung verkommt nach Sanierung durch Jugendliche wieder

Der inzwischen wieder extrem unansehnliche unterirdische Verbindungsweg zwischen Horn-West und –Ost Foto: Fraude

HORN Als „Herzstück“ von Horn bezeichnet Matthias Koberg den Fußgängertunnel, der den Westen mit dem Osten Horns – hier liegen Einkaufszentrum sowie U- und Busstation Horner Rennbahn – verbindet und oberhalb dessen sich sechs Straßen miteinander vernetzen. Das weiß wohl nur ein waschechter „Horner“, der zudem eine große Leidenschaft für seinen Stadtteil und dessen Gegebenheiten mitbringt.

Als Jugendlicher schon durchmaß er den 1967, kurz vor der neuen U-Bahn, entstandenen Tunnel – damals habe dieser noch „richtig gut“ ausgesehen. Das veränderte sich seit den 1980er-Jahren deutlich und so gab Koberg, der seit 30 Jahren in der Jugendarbeit der Timotheus-Kirchengemeinde aktiv ist, den Impuls, diesen in besonderer Weise „aufzuhübschen“, um wieder einen attraktiven Verbindungweg vornehmlich für die dortigen Anwohner zu schaffen.

Mit Unterstützung der Horner Geschichtswerkstatt und des im Quartier ansässigen „Jugendparlaments“ – ein seit 25 Jahren bestehendes Jugendbeteiligungsgremium mit Alleinstellungsmerkmal – wurden Geld für Sprühdosen und ein Graffitikünstler organisiert. Das Ergebnis waren 2013 eine vollständige Reinigung der Tunnelwände und eine anschauliche Bildgeschichte über die Entwicklung vom Dorf Horn vor 700 Jahren bis zur Gegenwart. „Viele Monate Vorbereitung und ehrenamtliches Engagement flossen in das Projekt“, berichtet Koberg im Gemeindemagazin von „Timo Horn“ – das Ergebnis sei eine „Kunstausstellung“ gewesen, bei der jeder Tunnelpassant im Vorbeigehen die Geschichte Horns kennenlernen konnte, „ganz ohne Eintrittskarte“. Die, auch medialen, Rückmeldungen dazu waren „überwältigend“ und das Engagement der beteiligten Jugendlichen auch danach ungebrochen.

Bedauerlicherweise bemächtigen sich Schmierereien, Vandalismus und extreme Verunreinigungen inzwischen wieder des Raumes; der wegen der historischen Motive ehedem „Time Tunnel“ genannte unterirdische Weg sei nun umgangssprachlich (wieder) zum „Rattentunnel“ geworden.
Koberg bittet um Ideen und Unterstützung von Bürgern und nicht zuletzt durch das Bezirksamt, wie zukünftig für eine nachhaltige Pflege und Wartung des Tunnels, angesichts von Personalmangel und augenscheinlichen

Kompetenzstreitigkeiten, gesorgt werden kann. Auch sollten junge Menschen nach Fertigstellung der U4 in die Neugestaltung der Fläche im und rund um den Tunnel einbezogen werden, die ihnen immerhin gesetzlich zugesichert sei. Schließlich sei noch erwähnt: Die Unterführung ist ein offizieller Teil des Europawanderweges E1 vom Nordkap bis Sizilien; dort befinden sich auch die weißen Wanderkreuze. Und selbstverständlich lernte Koberg immer mal wieder Menschen kennen, die einen Teilabschnitt dort gewandert sind.

Matthias Koberg arbeitet hauptamtlich im Jugendclub der Timotheus-Kirchengemeinde Foto: privat

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