6. Mai 2020
Horn

Zukunftsangst „nagt“ an den Schrebern

Sanierungskündigung am Rückersweg

Volker Ladendorf begutachtet die Bepflanzung am Vereinshaus des Gartenbauvereins Foto: Timm

HAMM Wer derzeit den Gartenbauverein Rückersweg von 1934 e.V. besucht, findet teils besorgte, teils verärgerte „Laubenpieper“ vor. Fest steht, dass sich die Gärten in den nächsten Jahren verändern werden – wie genau, ist allerdings unklar.

Es geht um die Zukunft: Weil in der Nähe Wohnungen gebaut werden sollen, muss ein Teil der Gärten weichen, auch das Aschbergbad soll sein Gesicht verändern. Wie genau das passieren wird, ist unklar. Der erste Vorsitzende Volker Ladendorf und Schriftführer Frank-York Gedanke Ladendorf und Gedanke berichten, seit Ende Fe­bruar gebe es eine sogenannte Sanierungskündigung zum
30. November: Die Gärten sollen eine Strom- und Wasserversorgung bekommen. Für das Wohnungsbauprojekt müssen 30 Parzellen auf eine Ausweichfläche vor einer ehemaligen Bäckerei verlegt werden.

Eigentlich sollten die Gärten vermessen und dann mit einem Ingenieurbüro ein Neukonzept erarbeitet werden – beides ist nach den Worten Gedankes und Ladendorfs bislang nicht passiert. „Die Fläche ist seit 15 Jahren bedroht“, erinnert sich der Schriftführer, immer wieder wurden Pläne für Wohnungen geschmiedet. Das nächste Problem: Es sollen auch Lauben, die nicht mehr erhaltungswürdig sind, abgerissen werden. Einige haben Asbestdächer, andere die erlaubte Größe von 24 Quadratmetern überschritten. Eine der Firmen, die den Wohnungsbau vorantreibt, habe probeweise Abrisse ausgeführt: Nun werden die Kosten auf 3000 bis 8000 Euro geschätzt – pro Laube. Hamburg wolle die Kosten übernehmen, und der Landesbund der Gärtner habe versichert, dass keine Laube gegen den Willen der Besitzer abgebrochen werden soll. Schließlich soll auch noch die Grundfläche der Gärten verkleinert werden.

Im Verein sind 161 Parzellen mit 220 Mitgliedern. Von den Veränderungen seien 31 betroffen: In einer Umfrage habe es eine mehrheitliche Zustimmung zu dem Konzept gegeben, allerdings sind nur 68 Fragebögen zurückgegeben worden – „also nur ein Meinungsbild“.

„Dass wir irgendwann fällig sind, das war klar“, sagt Volker Ladendorf. Es müsse ja Wohnraum geschaffen werden. „Irgendwie muss man das Gesamte sehen“, sagt Frank-York Gedanke. Die Hobbygärtner sind zwischen 18 und 40 Jahren in ihren Gärten, den Verein gibt es seit 1934. Einer der Gartenfreunde ergänzt noch, es gebe doch auch andere Grundstücke, auf denen Wohnungsbau möglich sei – etwa an der Kreuzung Grevenweg/Süderstraße oder an der Wendenstraße, wo große Flächen mit Autohändlern besiedelt seien.

Im Bezirksamt Mitte will man sich zum aktuellen Zeitpunkt nicht zu den Wohnungsbauplänen an dieser Stelle äußern. Wie Sprecherin Sorina Weiland auf Anfrage erklärt. Barbara Ketelhut aus der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen (BSW) ergänzt, im Moment gebe es wegen Corona „nichts Neues“.

Die Bezirksversammlung Mitte hatte sich zuletzt im Dezember 2019 mit den Osterbrookhöfen beschäftigt und damals das Projekt ausdrücklich begrüßt. Damals war das Bezirksamt unter anderem gebeten worden, eine „effiziente Flächennutzung sowie Flächenaufteilung“ zwischen einer ganzen Reihe von Angeboten (Quartiersbad, Jugendtreff, Vereinsheim SC Hamm 02 und anderes) sicherzustellen. Man spreche sich dafür aus, für das Sport- und Freizeitzentrum ein Qualifizierungsverfahren zu veranstalten. Auch das geplante Schwimmbecken sollte größer ausfallen.

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