10. Juli 2021
Horn

Lernen am Handy in Corona-Zeiten

Wenn Geld und Internetanschlüsse fehlen

Tiffany, Ramin und Armin sind beim Lernen oft auf ihre Handys angewiesen. Gut lernen ist damit nicht möglich Fotos: Grell

BILLSTEDT/HORN Die Pandemie nimmt langsam eine Wende, und immer mehr Jugendliche kommen jetzt wieder in Jugendclubs und Werkstätten und berichten aus ihrer Zeit während des Lockdowns.

Dabei fällt auf, „dass viele Schüler nicht mit den notwendigen elektronischen Mitteln ausgestattet waren, wie so oft berichtet wurde“, bedauert Murat vom Verein Jugendarbeit Horn, der in der Kinderwerkstatt an 365 Tagen im Jahr geöffnet hat. Durch die fehlenden Geräte sei es zu Engpässen beim Lernen und den Hausaufgaben gekommen, und „die Noten haben sich leider dadurch teilweise bei Schülern verschlechtert“, bedauern Armin und Tiffany, die wissen, dass es Freunde gab, die zu Hause nicht einmal einen Internetanschluss hatten.

In der jüngsten Sitzung des Beirats Billstedt/Horn hatte Murat deshalb aus dem Verfügungsfonds die Genehmigung von iPads für die „offene Kinder- und Jugendarbeit“ beantragt, die dann aber leider abgelehnt wurde, weil die Geräte zu teuer seien. Gerd Imholz (CDU) aus Bill-
stedt kann diese Entscheidung nicht nachvollziehen, weil in einer vorherigen Sitzung dem Antrag einer anderen Einrichtung trotz teurer Geräte zugestimmt worden sei.
Frust in den Familien

„Frustration bis hin zu Depressionen bei den Familien haben sich doch besonders in sozial benachteiligten Stadtteilen durch die Pandemie ausgewirkt“, so Imholz, der nach wie vor für die Vergabe der Gelder plädiert. Lernrückstände sollen jetzt in der Kinderwerkstatt durch gezielte Nachhilfe in den Ferien mit freiwillig Engagierten aufgearbeitet werden. „Zurzeit haben wir dafür ganze zwei Arbeitsplätze hier zur Verfügung“, bedauert das Team der Einrichtung, das unbedingt erreichen möchte, dass keines der Kinder in Sachen Bildung auf der Strecke bleibt.

Die iPads sollten eine Hilfe sein, um die Jugendlichen wieder zurück zu ihren vorherigen Leistungen zu bringen und mit ordentlichen Geräten arbeiten zu können. „Die meisten von uns waren das gesamte letzte Schuljahr auf ihre Handys angewiesen“, berichten die Jugendlichen aus der Kinderwerkstatt, und oft habe man dann in der Nähe eines WLAN-Anschlusses irgendwo vor einem Einkaufszentrum gesessen, um Mails verschicken oder die Hausaufgaben herunterladen zu können. „Die Jugendlichen brauchen gerade jetzt nach diesem langen Lockdown alle erdenkliche Hilfe“, meint das Team aus Horn und möchte deshalb mit intensiver Nachhilfe retten, was durch die Pandemie verloren ging. „Wir hoffen immer noch, irgendwie an zusätzliche Geräte zu kommen.“

 

Zwei Arbeitsplätze stehen den Schülern zurzeit in der Kinderwerkstatt zur Verfügung Foto: Grell

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