7. Mai 2022
Horn

Kaum bezogen, schon zerstört

Die Geschichte der Mehrfamilienhäuser an der Washingtonallee

Der Bombenangriff machte 1942 das gerade bezogene Haus für Jahre unbewohnbar. Nach der energetischen Sanierung ist vom historischen Backstein leider nichts mehr zu erkennen Fotos: Staatsarchiv/Gerd von Borstel

HORN In der 61. Folge der Serie hat das Stadtteilarchiv Horn ein dunkles Kapitel der Geschichte aufgeschlagen.

Vor ziemlich genau 77 Jahren – am 3. Mai 1945 – kam es in Hamburg zur bedingungslosen Kapitulation und der kampflosen Übergabe der Stadt an die britischen Kampftruppen. Das bewahrte Hamburg vor einer weiteren sinnlosen Zerstörung, denn die bisherigen Kriegshandlungen hatten die Zivilbevölkerung schon hart getroffen.
Von den etwa 500.000 Wohnungen vor dem Zweiten Weltkrieg war die Hälfte zerstört oder schwer beschädigt.

Besonders hart wurde der Osten der Stadt getroffen. Vom 24. Juli bis zum 3. August 1943 hatten amerikanische und britische Flieger die Hansestadt in einer Serie von Luftschlägen massiv attackiert und unter dem Codenamen „Operation Gomorrha“ insgesamt rund 8500 Tonnen Bomben abgeworfen. Etwa 34.000 Hamburger waren im Feuerinferno gestorben. 45 Millionen Kubikmeter Trümmerschutt waren die Hinterlassenschaft des Krieges, die sich auch in Horn auftürmte.

Das historische Foto zeigt die nördliche Seite der Washingtonallee zwischen Hasencleverstraße (damals noch von den Nazis umbenannt in Paul-Keßler-Straße) und Geibweg. Die zerstörten dreistöckigen Mehrfamilienhäuser ohne Ladengeschäfte mit den Hausnummern 23 bis 27 (auf dem Foto sind nur 25/27 zu sehen) ließ die Gemeinnützige Siedlungs-A.G. Hamburg im Jahre 1941 errichten. Kaum waren sie bezogen, wurden sie bereits am 27. Juli 1942 durch Bomben stark beschädigt.

Das Ausmaß lässt vermuten, dass hier eine sogenannte Luftmine detoniert ist. Wikipedia beschreibt sie wie folgt: „Eine Luftmine (manchmal als Wohnblockknacker bezeichnet) ist eine große, schwerere Sprengbombe, die vor allem im Luftkrieg während des Zweiten Weltkriegs von Flugzeugen abgeworfen wurde. Luftminen werden gegen ungepanzerte Flächenziele verwendet und sind besonders auf eine starke Detonationswelle ausgerichtet, die das Umfeld verwüstet.“

Beim abgebildeten Wohnhaus hatte die Welle die komplette Front der Hauseingänge 25 und 27 herausgerissen und auch die benachbarten Häuser abgedeckt. Dadurch waren sie zum nachfolgenden Abwurf von Brandbomben vorbereitet, wodurch sich auf dem Dachboden das Feuer ungehindert ausbreiten konnte.

Nach Ende des Krieges wurde der Block – vermutlich mit wiederverwendbaren Ziegelsteinen aus dem Trümmerschutt – rekonstruiert und konnte 1951 wieder bezogen werden. Nachdem das Haus vor einigen Jahren energetisch saniert wurde, ist von der ursprünglichen Backsteinfassade mit ihrer unterschiedlichen Färbung leider nichts mehr zu erkennen.
Bis zur Stengelestraße standen quer zur Washingtonallee noch weitere baugleiche Mehrfamilienhäuser, deren Eingänge aber am Geibweg, der Stengele- und Elmtwiete und der Stengelestraße lagen. Sie waren ebenfalls 1941 erbaut worden und wurden auch beim Angriff im Juli 1942 getroffen. Ihre Geschichte lesen Sie in einer der nächsten Folgen.

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Alle Folgen der Serie „Horn damals und heute“ mit interaktiver Bildüberblendung auf www.horn-damals-heute.de

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