4. September 2021
Horn

Im Wandel der Zeiten

Horner Landstraße: Vom Bauernhof über die Tankstelle zum Discounter

Krogmanns Hofgebäude (Mitte) zählte zu den ältesten Häusern im Dorf Fotograf: Unbekannt

HORN Nach der Sommerpause der Geschichtswerkstatt Horn gibt’s heute die 57. Folge der Serie „Horn damals und heute“. Diesmal geht es um die Horner Landstraße 110.

Der Fotograf der historischen Aufnahme steht auf der nördlichen Seite der Horner Landstraße gegenüber der heutigen Hausnummer 128 und blickt in Richtung Westen. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite liegt links mit Nr. 122 die „Gastwirtschaft zum ländlichen Verkehr“. In dem 1836 erstmals erwähnten Haus betrieben im Erdgeschoss bis 1858 Schuhmacher ihre Werkstatt. Nach wechselnden Gewerben übernahm 1879 Johann Carl Stegemeyer die Räumlichkeiten und baute sie zu der Gastwirtschaft aus.

Eine geschichtliche Randnotiz: Am 6. April 1914 fuhr ein Auto in die Wand des Lokals. Die Feuerwehr musste es herausziehen. Für das seinerzeit schon alte Fachwerkhaus bestand Einsturzgefahr. Es handelte sich vermutlich um den ersten spektakulären Autounfall in Horn, zumindest um den erstmals dokumentierten.

In der Bildmitte ist mit dem geöffneten Scheunentor das Hofgebäude der Familie Krogmann zu sehen. Die Geschichte dieses Areals reicht weit zurück: Am 30. November 1598 ließ „Henrich Schröder in Horn, Haus und Hof mit 4 Morgen Landes vom Heerwege bis an den Billstrom“ seinem Sohn Jacob übertragen.

Man darf also davon ausgehen, dass der Hof schon einige Zeit zuvor bestanden hat. Dessen Sohn Hinrich übernahm alles am 20.4.1631 und ließ anno 1663 ein großes Hofhaus mit westlichem Wohnteil erbauen, das in der Nacht vom 24. auf den 25. August 1909 abbrannte. Zu diesem Zeitpunkt war das Gebäude 246 Jahre und zählte zu den ältesten Bauwerken im Stadtteil.
Nach mehreren Besitzerwechseln wurde am 8. September 1789 der Landwirt Jacob Krogmann ins Grundbuch eingetragen. Fünf Generationen bewirtschafteten den Hof und waren unter anderem auch Dorfvogt und Feueraufseher. Letzter Besitzer seit Spätherbst 1889 war dann Jacob Wilhelm Krogmann, dem auch die Häuser 120–126 gehörten.

Aus der Scheune wurden Notunterkünfte

Im Jahre 1911 beauftragte Krogmann den Architekten H.J. Plöhn mit dem Bau eines großen Landhauses. Es sollte direkt südlich des am 25. August 1909 abgebrannten Wirtschaftsteils und damit 25 Meter abseits der geplanten neuen Straßenlinie errichtet werden. Nachdem Krogmann 1921 verstorben war, übernahm Ehefrau Bertha Louise alle Geschäfte. Noch im selben Jahr trat die „Abteilung für Behebung der Wohnungsnot“ mit der Bitte an sie heran, ihre große Scheune mit Notwohnungen auszustatten, was dann auch bis September 1922 geschah. Seit dem 1. Mai 1928 gehörte das Grundstück samt allen Baulichkeiten der Stadt Hamburg, die es für 350.000 Reichsmark von der Witwe erworben hatte, die 1930 verstarb.

1933 wurde das große Landhaus zum Sitz des Kreises Horn-Billbrock der NSDAP und war seit 1935 vom Kreisleiter Wilhelm Spardel bewohnt. Im Krieg wurde es von Bomben getroffen und später abgebrochen.
Auf dem Grundstück betrieb Herbert Dreyer seit 1950 eine Esso-Tankstelle, die im Jahr darauf von Walter Reineke übernommen wurde. Sie ist leider fotografisch nicht dokumentiert. Nach Abbruch der Tankstelle eröffnete am 21. November 1989 auf dem Areal der Aldi-Markt eine neue Filiale, die zuvor am Bauerbergweg 12 lag.

Haben Sie alte Horn-Motive in Ihrem Fotoalbum oder Diakasten? Dann melden Sie sich bitte telefonisch unter: 040- 659 01 444, per Brief (Geschichtswerkstatt Horn, Am Gojenboom 46, 22111 Hamburg) oder Mail (meine@horner-geschichte.de).

Alle Folgen der Serie „Horn damals und heute“ mit interaktiver Bildüberblendung auf der neu gestalteten Internetseite www.horn-damals-heute.de

Von 1950 bis etwa 1988 Tankstelle, seit November 1989 Lebensmittel-Discounter Foto: Gerd von Borstel

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