11. September 2021
Horn

„Fensterstücke“ als Auftakt

Innovative Projektserie startet

In einem leeren Ladengeschäft an der Horner Landstr. 196 wird die Wohnung von Anna Lühring, die im 19. Jahrhundert im Stadtteil gelebt hat, nachgebaut und „erleuchtet“ Fotos: Raßfeld

HORN „Ich habe eine künstlerische Vorliebe für Fenster“: So erklärt (sich) die Bühnenbildnerin Malina Raßfeld ihre Idee zu der Projektserie „Fensterstücke“, die vom 17. bis zum 23. September an der Horner Landstraße 196 ihren Auftakt nimmt.

Kernstück dieses innovativen Projekts ist nach Raßfelds Worten, „den theatralen Moment des hell erleuchteten Fensters auf der nächtlichen Straße zu nutzen, um in leer stehenden Ladengeschäften ein visuelles Erlebnis für vorbeieilende Passanten zu erschaffen“. Die Künstlerin formuliert dabei den Anspruch, sich intensiv mit dem Ort und seiner Geschichte auseinanderzusetzen und so die städtische Umwelt auf neue Weise erlebbar zu machen und zu reflektieren. Dadurch werde eine eigene Dramaturgie entwickelt, die unvermittelt zum Innehalten und Betrachten anregen soll.

Die Projektpremiere thematisiert das Leben von Anna Lühring (1796–1866), die als junge Frau in männlicher Verkleidung an Befreiungskriegen teilnahm, später ein armes und einsames Leben in Horn fristete und auf dem Alten Hammer Friedhof ihre letzte Ruhe fand. Ein spekulativer Nachbau ihrer Wohnung soll nun dazu einladen, „dem leisen Verschwinden einer Frau nachzuspüren“ und als „Ausgangspunkt für eine Auseinandersetzung mit stereotypen Geschlechterrollen und Identität“ dienen.

In der leeren Horner Ladenfläche, die bald künstlerisch bestückt sein wird, war zuletzt ein Fliesengeschäft untergebracht. Die „Erleuchtung“ dürfte am kommenden Freitag und in den Tagen danach jeweils von 17 Uhr bis um Mitternacht nicht wenige Passanten in ihren Bann ziehen.

Bühnenbildnerin Malina Raßfeld Foto: Raßfeld

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