1. Juli 2020
Horn

Eine Ehrung der besonderen Art

Kantorin Diemut Kraatz-Lütke ist jetzt Kirchenmusikdirektorin der evangelischen Nordkirche

HAMM Sie leitet gleich mehrere Chöre oder hat sie gegründet, spielt – natürlich – Orgel in den Gottesdiensten ihrer Dreifaltigkeitsgemeinde und arbeitet zusätzlich als Kreiskantorin im Kirchenkreis Hamburg-Ost.

Jetzt wurde Diemut Kraatz-Lütke (Foto: fbt) durch Landeskirchenmusikdirektor Hans-Jürgen Wulf, Pröpstin Astrid Kleist und dem Hammer Pastor Johannes Kühn zur Kirchenmusikdirektorin ernannt. In der evangelischen Nordkirche ist das ein Ehrentitel.

Wenn man der 52-jährigen Kirchenmusikerin beim Proben mit einem ihrer Chöre zuhört, merkt man schnell: Hier ist eine unterwegs, die ihr Handwerk nicht nur versteht, sondern zu den Meisterinnen ihres Fachs gehört. Locker wechselt sie zwischen dem Klavier und ihrem Dirigentenpult hin und her. Die Kirchenmusikerin probt genau, nie mit übertriebener Strenge, aber offensichtlicher Autorität. Diemut Kraatz-Lütke ist bei alldem immer wieder zu kleinen Scherzen aufgelegt und von bemerkenswerter Ausstrahlung.

Von den Corona-Zeiten abgesehen führt sie, etwa mit dem durchaus stattlichen Chor HAMMonie, große Oratorien auf. Die jüngsten Leute dort sind um die 20 Jahre alt, die ältesten im Rentenalter. Auch ihr Mann (ebenfalls Musiker) und die beiden Söhne sind in den Reihen des Chores zu finden. Die bis zu 60 Frauen und Männer haben ein großes Repertoire und singen auch anspruchsvolle Musik „vom Blatt“ – es klingt also schon beim ersten Mal gut. Viele aus der HAMMonie kommen aus den Kinderchören, die Diemut Kraatz-Lütke ebenfalls an der Dreifaltigkeitskirche aufgebaut hat.

Eigentlich waren für dieses Jahr die Johannes-Passion von Heinrich Schütz und für den Sommer ein Konzert mit Songs von George Gershwin geplant; im nächsten Jahr dann Johann Sebastian Bachs Johannes-Passion. Alles verschiebt sich nun um ein ganzes Jahr. „Niemand schmerzt das mehr als mich, mir fehlen meine Chöre“, sagt die Kantorin. Sie versucht, in Corona-Zeiten ihre zum Schweigen vergatterten Ensemble zusammen zu halten; veranstaltet virtuelle Chortreffen oder singt Lieder ein, die dann über das Internet verteilt werden. Der helle Sopran der Kirchenmusikerin ist ohnehin auch in den Sonntagsgottesdiensten zu hören.

Die geborene Berlinerin hat in Herford und Detmold Kirchenmusik studiert und mit dem A-Examen abgeschlossen. In Hamm ist sie seit 1997, hier hat sie zwei Kinder-, einen Jugendchor, eine Kantorei und eben den Chor HAMMonie ins Leben gerufen. Wenn es mal nicht um Musik geht, wird viel gelesen.

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