30. Juli 2022
Horn

Ein Ehrenamtler, wie er im Buche steht

Joachim Schirmer ist mehr als „nur“ Erster Vorsitzender der Sportvereinigung Billstedt-Horn

„Joschi“ Schirmer, Chef der Sportvereinigung Billstedt-Horn, hat gerade eine der höchsten Hamburger Auszeichnungen bekommen Foto: Timm

BILLSTEDT/HORN Wer hat etwas zu erzählen? Nicht nur die „Großen“: jeder. In unserer Serie „Auf einen Kaffee mit…“ stellen wir die unterschiedlichsten Menschen vor.

Würde Joachim Schirmer nicht vor mir sitzen: Man müsste ihn erfinden – er ist, auch wenn das übertrieben klingt, der Idealtyp eines Ehrenamtlichen. Groß und kräftig, weiße Haare und Bart, gehandicapt von nicht nur einer Sportverletzung. Dass er sich davon nicht aus der Ruhe bringen lässt, passt zu dem 67-Jährigen.

Wir sitzen im Büro der Ju-bilatekirche an der Mer-kenstraße, ab und zu schaut jemand herein, fragt etwas, geht wieder. Draußen wird die Tafelausgabe vorbereitet, „Joschi“, wie ihn viele nen-nen, hat seit zwei Jahren hier das Sagen.
Als der gelernte Groß- und Einzelhandelskaufmann in Rente ging, machte er erst mal einen Bundesfreiwilli-gendienst; hier in der Ge-meinde – nun arbeitet er als Honorarkraft weiter. Als wenn das alles wäre. Seit 40 Jahren leitet Joschi die Sportvereinigung Billstedt-Horn: 650 Mitglieder, ein halbes Dutzend Abteilungen.

Über die Tafel macht er sich so seine Gedanken: Die Zahl der Abholer habe zugenommen: „In acht Monaten kamen 50 Leute dazu.“ Sie müssten ihre Bedürftigkeit nachweisen; manche fahren aber mit dem eigenen Auto an die Merkenstraße. Und Joschi erzählt von einem, der nicht zur vereinbarten Zeit konnte; und es stellte sich heraus, dass der Mann einen kleinen Job hatte.
Mein Gegenüber hilft mit seinem Anhänger und ent-sprechender Ausrüstung auf Stadtteilfesten, die Liste der Aktivitäten will schier nicht enden. „Warum machst Du das alles?“ „Ich kann schlecht Nein sagen“, lautet seine Antwort.

„Irgendwo eine Anerkennung“

Vor 32 Jahren kauft er sich mit seiner Frau einen Wohnwagen, der auf Fehmarn steht, damit er nicht immer der „Depp für alle“ ist. In Rage redet sich Joschi, wenn es um die Arbeit und die Bedingungen hinter den Kulissen geht. Eine Ham-burger Bank, berichtet er, behandelt Sportvereine wie Wirtschaftsunternehmen, da sind dann schon mal 1600 Euro Kontogebühren fällig: „Das betrifft alle Hamburger Vereine.“ Und die Kontovollmacht für ein Vereinsmitglied zu erreichen, scheint auch ein ziemlich umständlicher Weg.

Dass Schirmer sich ehrenamtlich so abarbeitet, bleibt nicht verborgen. Bürgermeister Peter Tschentscher hat ihm im Rathaus eine der höchsten Auszeichnungen überreicht: die Medaille für treue Arbeit im Dienste des Volkes in Bronze. Das sei „ir-gendwo eine Anerkennung“. Der Ehrenamtsreis (2017) und den Bürgerpreis der Bezirksversammlung Mitte (2019) hat Joschi auch schon. Allemal verdient: Glückwunsch, Joschi!

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