5. August 2020
Horn

Drei Brüder zwischen zwei Welten

Von der Kindheit in Sibirien bis zur Audienz beim Papst

Drei Brüder mit russischer Seele und großer künstlerischer Begabung Foto: Marco Urban

HAMM Die ursprünglich aus der UdSSR stammenden Brüder Evgeni, Michael und Semjon Posin haben sich als begnadete Kopisten berühmter Meisterwerke der Malerei international einen Namen gemacht. Die Fabrik der Künste zeigt nun in einer gemeinsamen Retrospektive die ganz eigenen Werke der Brüder Posin.

Das künstlerische Talent liegt hier eindeutig in der Familie. In den Werken der drei Brüder zeigt sich die familiäre Begabung, auch wenn sie in ihrer Kunst unterschiedliche Wege gehen. Evgeni, Michael und Semjon wuchsen im sibirischen Kansk auf, einer Stadt, deren Bewohner sich überwiegend aus Häftlingen und Verbannten zusammensetzte. Der Vater, 1949 nach Kansk verbannt, unterrichtete an einer Schule für Militärdolmetscher Japanisch. In der Abgeschiedenheit Sibiriens entwickelten die Posins ihr Talent und bewarben sich gemeinsam an der Kunstakademie in Leningrad, wo sie im Jahr 1973 aufgenommen wurden. Konflikte mit dem Regime begleiteten die weitere künstlerische Entwicklung der Maler und – aus Wohnungsmangel – auch Hausbesetzer. 1984 verließ Evgeni Posin die Sowjetunion, seine Brüder folgten zwei Jahre später.

Im Jahr 2001 eröffnete das Trio in Berlin den mittlerweile weltweit bekannt gewordenen „Kunstsalon Posin“, wo sie Kopien berühmter Gemälde zeigen und thematische Ausstellungen organisieren. So wurde im Jahr 2005 das sieben Meter hohe Bilderkreuz von Michael Posin ausgestellt, ein Kreuz, das sich aus elf Einzelbildern zusammensetzt und den Lebens- und Leidensweg Jesu thematisiert. Eines dieser Bilder ist 2004 von Papst Johannes Paul II bei einer Audienz gesegnet worden. Das vollständige Kreuz steht seit 2007 in einem polnischen Kloster sowie ein Porträt des Papstes, das Evgeni Posin nach dem Besuch im Vatikan gemalt hat. Ein Modell des Kreuzes und die Kopie des Porträts sind jetzt in Hamm zu sehen.

Die Ausstellung in der Fabrik der Künste ist die erste gemeinsame Ausstellung der Brüder seit den 1980er Jahren. Im Vordergrund stehen vor allem Ölbilder und Zeichnungen, die nach dem Verlassen der Sowjetunion entstanden sind, es werden aber auch frühere Arbeiten gezeigt, die noch aus Russland stammen.

vom 10. – 23. August, Mo–Fr. 14–19Uhr, Sa./So.12–18 Uhr, Fabrik der Künste, Kreuzbrook 12, Eintritt: frei

 

Ein russisches Stillleben mit Augenzwinkern von Michael Posin Foto: Fabrik der Künste

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